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"Richtige Ansätze, aber noch viel Klärungsbedarf im Detail"

10.01.2020 Pressemitteilungen

Zu den Reformplänen der Notfallversorgung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein:

„Die Notfallversorgung von Kliniken und Niedergelassenen künftig noch enger mit einander zu verzahnen, ist mit Blick auf die vielen Bagatellerkrankungen, die in den Notdiensten erscheinen, sinnvoll. In Nordrhein haben wir bereits über 70 Notdienstpraxen, die räumlich und organisatorisch mit einer Klinik verbunden sind. Wir unterstützen die schon im Februar 2019 vom Land NRW, Kassen und Ärzten verabschiedete Gemeinsame Erklärung zur Einführung von Portalpraxen, deren Aufgaben und Ausgestaltung weitgehend den vom Minister gewünschten „Integrierten Notfallzentren“ (INZ) entsprechen.

Zu begrüßen ist auch, dass die in den INZ erbrachten Leistungen nicht aus dem Budget der niedergelassenen Ärzte finanziert werden sollen – die ja den bisherigen Bereitschaftsdienst komplett selber finanzieren. Wir nehmen ebenso gern zur Kenntnis, dass die im ersten Gesetzesentwurf geäußerten Pläne zur Übertragung des Sicherstellungsauftrags an die Länder offenbar vom Tisch sind. Auch das ist gut so. Als KV verfügen wir sowohl über die relevante Expertise zur Sicherstellung der Versorgung als auch über die Kontakte in die hiesige Krankenhauslandschaft und maßgeblich auch in unsere Ärzteschaft. Es ist nicht notwendig, diese Ressourcen als quasi ‚Dritten Versorgungssektor‘ neu aufzubauen.

Bei der angedachten „Rund-um-die-Uhr“-Versorgung besteht allerdings noch erheblicher Klärungsbedarf: Zum einen können wir niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unabhängig von ihrer Inanspruchnahme nicht Tag und Nacht in einer Portalpraxis vorhalten – schon heute ist der Notdienst für viele junge Mediziner ein Argument gegen eine Niederlassung. Wenn wir Nachwuchsmediziner zu einem 24/7-Dienst verpflichten, können wir unsere intensiven Bemühungen zur Nachwuchswerbung einstellen.

Zum anderen widersprechen ‚jederzeit zugängliche‘ Notfallzentren dem Ziel einer zweckmäßigen und auch wirtschaftlichen Versorgung. Zielführender ist es, zunächst im Rahmen einer standardisierten Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs, wie beim bereits genutzten SMeD-Verfahren, zu prüfen, ob und wie schnell Patienten eine ambulante oder eine stationäre Versorgung benötigen. Anschließend können Patienten tagsüber in eine ambulante Praxis im Umfeld vermittelt und dort versorgt werden. Dieses Verfahren wenden wir bereits seit über einem Jahr in Köln erfolgreich an.

Eine kooperative Versorgung mit dem stationären Bereich in Portalpraxen oder INZ macht darüber hinaus überall dort Sinn, wo alle Beteiligten davon profitieren. Durch die gemeinsam organisierte Versorgung können Niedergelassene den stationären Bereich insbesondere zu Spitzenzeiten entlasten. Während der tiefen Nachtstunden braucht es nicht die ständige Präsenz eines Niedergelassenen, Akutfälle können dann entweder vom ärztlichen Fahrdienst oder in der Klinik versorgt werden.“