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KV Nordrhein warnt vor Kollaps der ambulanten Versorgung

20.03.2020 Gesundheitstipps, Pressemitteilungen

Ohne eine baldige flächendeckende und umfangreiche Ausstattung der Arztpraxen mit Schutzmaterial für die Mediziner und ihre Mitarbeitenden wird sich die ambulante Versorgung in Nordrhein nur noch kurze Zeit in der bisherigen Form aufrechterhalten lassen. Darauf weist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage bei der Ausbreitung des Coronavirus im Rheinland hin. Die Zahl der in NRW bestätigten SARS-CoV-2-Infektionsfälle steigt schnell an. Stand heute, 20. März, gibt es NRW-weit 5734 Infizierte, 17 Patienten sind in Folge einer COVID 19-Erkrankung in NRW gestorben.

Zu den gestrigen Meldungen, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) rund zehn Millionen Stück Schutzausrüstung erhalten habe, die auf dem Weg zu den KVen sei, sagt der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann: „Es ist gut, dass endlich Schutzmaterial kommt. Von einer Entspannung der Lage sind wir allerdings mit Blick auf Inhalt und Umfang der aktuellen Lieferungen noch weit entfernt.“

Bei den ersten Lieferungen handelt es sich offenbar zunächst um Schutzhandschuhe und Schutzkittel, weiteres Material wie Atemschutzmasken soll folgen. „Wir sind auf eine Verteilung gut vorbereitet und können die Distribution der eingehenden Lieferungen zeitnah starten – wenn es sein muss, auch sonntags. Sobald wir über die notwendigen Mengen zur flächendeckenden Versorgung der Praxen verfügen, werden wir unsere Mitglieder informieren“, kündigt Bergmann an.

„Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte versorgen täglich mehrere Hunderttausend Patienten. In unzähligen Telefonaten werden Patienten informiert, gegebenenfalls in Quarantäne eingewiesen, an ein Diagnostikzentrum vermittelt oder zu Hause besucht. Wenn diese Versorgungsebene zusammenbricht, werden unsere Krankenhäuser überrollt“, sagt Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Unsere Mitglieder sind bereit, den Sicherstellungsauftrag auch in dieser Ausnahmesituation wahrzunehmen, aber das Risiko für sie und ihre Angestellten muss vertretbar bleiben.“

Große Mengen an Material benötigt

„Wir benötigen so schnell wie möglich Schutzmaterial in einem Umfang, der der besonderen Situation in Nordrhein gerecht wird. Das Rheinland ist die vom Coronavirus mit Abstand am stärksten betroffene Region in Deutschland. Wir müssen hier besonderen Wert darauf legen, nicht nur die Infrastruktur im medizinischen Bereich zu erhalten, sondern auch die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen“, betont Bergmann. Mit den bisher verfügbaren, aus eigenen Mitteln aufwändig besorgten Materialien hat die KV Nordrhein bisher die 77 ambulanten Notdienstpraxen im Rheinland sowie die Praxen in besonders betroffenen Regionen (Kreis Heinsberg, Städteregion Aachen) ausstatten können.

Die ökonomischen Folgen der Krise seien noch nicht absehbar. „Klar ist aber, dass es für viele Praxen um die Existenz gehen wird, weil viele Patienten derzeit den Praxen fern bleiben und sinkende Fallzahlen im System der ambulanten vertragsärztlichen Vergütung zu erheblichen Einnahmeverlusten führen“, sagt Bergmann. Und weiter: „Das ambulante vertragsärztliche Versorgungssystem hat sich in der Vergangenheit und aktuell bewährt. Wir müssen alles dafür tun, diese Versorgungsebene zu schützen und zu erhalten. Vertragsärzte behandeln 90 Prozent der erkrankten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland.“

„Nehmen die gesetzlichen Krankenkassen beim Wort“

Was die derzeitigen außergewöhnlichen finanziellen Belastungen auch der Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Bewältigung der aktuellen Krisensituation betrifft, kündigt Bergmann an: „Wir nehmen die gesetzlichen Krankenkassen beim Wort. Der GKV-Spitzenverband hat in dieser Woche angekündigt, dass die Krankenkassen alle Kosten tragen, die im medizinischen Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie entstehen.“