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KVNO, Landrat, Gesundheitsamt und Hermann-Josef-Krankenhaus informieren über Arbeit des Corona-Diagnosezentrums

10.03.2020 Gesundheitstipps, Pressemitteilungen

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) informierte heute bei einem Pressegespräch im mobilen Diagnosezentrum in Erkelenz (Standort Willy-Stein-Stadion) über die Arbeit der am 4. März eröffneten Anlaufstelle für Corona-Patienten. KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann, Landrat Stephan Pusch, Dr. med. Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Hermann-Josef-Krankenhaus und Heidrun Schößler, Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Heinsberg, lobten die gute Zusammenarbeit aller Akteure bei der zügigen Einrichtung des zweiten Diagnosezentrums im Kreis. Gemeinsames Ziel: die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und die Gesundheitsversorgung im ambulanten und stationären Bereich aufrechtzuerhalten.

Mobile Arztpraxis schützt auch Praxen und Ambulanzen

Vor dem Hintergrund erster Todesfälle in Folge einer COVID-19-Erkrankung betonte KVNO-Chef Bergmann die Bedeutung von Diagnosezentren wie in Erkelenz. „Wir freuen uns, dass wir hier schnell helfen konnten – das war auch erforderlich“, so Bergmann. „Die Einrichtung entlastet die Praxen und Ambulanzen und deren Personal, da wir Patienten unter geschützten Bedingungen versorgen können.“ Inzwischen werden in der mobilen Praxis rund 60 Abstriche pro Tag durchgeführt, Tendenz steigend. Die Patienten erhalten zuvor über die kostenlose Rufnummer 11 6 11 7 einen Termin für den Abstrich – das Diagnosezentrum ist aber keine Anlaufstelle für Menschen, die sich aus Eigeninitiative „mal testen“ lassen wollen. Auch in der Arztrufzentrale steht seit Anfang März ein ärztlicher Hintergrunddienst bereit. „Das ist ein wichtiger Teil der Patientensteuerung, sozusagen der erste Filter“, so Bergmann.

Das Foto zeigt Heidrun Schößler, Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Heinsberg, Landrat Stephan Pusch, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann und Dr. med. Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notauf-nahme am Hermann-Josef-Krankenh

Heidrun Schößler, Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Heinsberg, Landrat Stephan Pusch, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann und Dr. med. Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Hermann-Josef-Krankenhaus (v.l.n.r.) vor der mobilen Arztpraxis in Erkelenz.

Schutzmaterial für Praxen vor Ort

Das Hauptaugenmerk liegt momentan darauf, Patienten mit intensivem Behandlungsbedarf schnell zu identifizieren und neue Infektionen zu vermeiden. Die Zahl der Praxen im Kreis, die vorübergehend aufgrund der Quarantäne-Bestimmungen geschlossen bleiben mussten, hat sich von zeitweilig sieben wieder auf zwei verringert. Damit die Praxen handlungsfähig bleiben, hat sie die KV Nordrhein ebenso wie das Diagnosezentrum und die eigenen Notdienstpraxen im Kreis bereits mit Schutzmaterial ausstatten können, das sie selber besorgt hat. Weiteres Material, um dessen Anschaffung sich die Politik auf Landes- und Bundesebene derzeit bemüht, sei nach Aussage Bergmanns dringend erforderlich. Der KVNO-Chef betonte, dass die Erkrankung bisher in den meisten Fällen relativ harmlos verlaufe und kein Grund für übertriebene Besorgnis bestehe. „Es muss niemand in Desinfektionsmittel baden oder mit Schutzmaske einkaufen.“ Auch zu „Hamsterkäufen“ bestehe kein Anlass.

Landrat Stephan Pusch lobte die von Anfang an enge Zusammenarbeit mit der KV Nordrhein. „Plötzlich Hot Spot der Krise zu sein, war eine außergewöhnliche Situation. Auch die Belastung der Hausärzte war und ist sehr hoch – sie werden durch die Diagnosezentren spürbar entlastet, es sind auch deutlich mehr Tests möglich“, sagte Pusch. Es sei wichtig, den Betrieb in den Praxen aufrechtzuerhalten – auch durch eine pragmatische Auslegung der RKI-Kriterien. „Sonst stoßen wir an Grenzen“, so Pusch. Die jüngsten Todesfälle hätten ihn geschockt, aber auch Verantwortliche außerhalb des Kreises wachgerüttelt: „Der Kreis Heinsberg braucht Unterstützung und ist eine Blaupause für andere Landkreise. Wir sind ein Mikrokosmos für Deutschland.“

Das Bild zeigt das mobile Diagnosezentrum in Erkelenz

Die mobile Arztpraxis in Erkelenz.

Appell an Kliniken in Nachbarkreisen

Heidrun Schößler, Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Heinsberg, dankte der KVNO für die prompte Unterstützung und bestätigte, dass der Plan so langsam aufgehe, „Patienten aus Praxen und Ambulanzen herauszuhalten“. Schößler und Pusch appellierten an Kliniken in Nachbarkreisen, Intensivpatienten zu übernehmen, um in den Kliniken des Kreises Heinsberg freie Kapazitäten zu schaffen. „Es geht auf allen Ebenen darum, Patienten besser zu steuern“, ergänzte Bergmann. Auch Dr. med. Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Hermann-Josef-Krankenhaus, betonte, dass „wir alle anderen Patienten normal weiterbehandeln müssen.“ Die Infektionslage im Kreis werde zunehmend unüberschaubar – umso wichtiger sei es, so viele Patienten wie möglich in den Zentren zu versorgen. „Wir müssen die Ausbreitung so weit wie möglich zeitlich dehnen, damit wir die nötigen Kapazitäten zur Versorgung haben“, so Hölzl. Diesem Zweck dienten die Zentren. „Es ist toll, wie das hier gemeinschaftlich funktioniert hat – binnen 24 Stunden hatten wir die mobile Praxis hier in Betrieb.“ 

Das Diagnosezentrum in Erkelenz:

Patienten können die Einrichtung von 8 bis 18 Uhr an sieben Tagen in der Woche aufsuchen. Über die Hotline 11 6 11 7 erfolgt die Vermittlung beziehungsweise die Terminvergabe für das neue Diagnosezentrum in Erkelenz. Patienten ohne einen begründeten Verdacht auf eine Corona-Infektion sollen die Einrichtung nicht aufsuchen

Tipps für Patienten:  

Um einer Infektion vorzubeugen, sollte man derzeit auf direkten Körperkontakt wie beim Händeschütteln verzichten. Ein gewisser Abstand hilft ebenfalls. Besonders wichtig ist, sich mehrfach am Tag gründlich die Hände zu waschen oder zu desinfizieren.