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Weniger Verordnungen von Antibiotika in NRW

14.01.2020 Pressemitteilungen

In Nordrhein-Westfalen werden zunehmend weniger Antibiotika verordnet. Im ersten Halbjahr 2019 ist die Anzahl der Verordnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 14 Prozent gesunken. Das belegen aktuelle Verordnungszahlen für die gesetzlich Krankenversicherten. Danach wurden insgesamt 3,7 Millionen Antibiotikarezepte erstellt.

Dennoch liegen die Antibiotika-Verschreibungen in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich rund zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt. „Das wollen wir unbedingt ändern mit unserer gemeinsamen Kampagne ‘Rationale Antibiotikaversorgung in Nordrhein- Westfalen’. Dabei wollen wir die Menschen über einen sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufklären und zu einem sorgsamen Umgang damit sensibilisieren“, sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann, Initiator der landesweiten Kampagne von Gesundheitsministerium, den gesetzlichen Krankenkassen, Ärzten, Apotheken, der Krankenhausgesellschaft sowie der Patientenberatung NRW.

So helfen Antibiotika nur in den seltensten Fällen gegen Erkältungskrankheiten. Wenn der Hals kratzt, die Nase läuft und leichtes Fieber im Anmarsch ist, sind meist Viren die Ursache. Antibiotika hingegen wirken nur gegen bakterielle Infektionen und sind völlig unwirksam, wenn die Erkältung durch Viren ausgelöst wurde. Zur Linderung der Symptome haben sich bekannte Hausmittel bewährt. „Patienten können bei einer einfachen Erkältung jedoch auch auf zahlreiche Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation zurückgreifen. Hier ist die Apotheke die richtige Anlaufstelle“, so Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein.

Wenn doch ein Antibiotikum eingenommen werden muss, ist es wichtig, dass dieses richtig angewendet wird. Hierzu geben die Apotheken wichtige Einnahmehinweise. Beispielsweise müssen die Zeitabstände exakt stimmen, damit die Antibiotikamenge im Körper immer hoch genug ist, um die Bakterien sicher zu bekämpfen. „Die korrekte Einnahme ist von entscheidender Bedeutung für den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Hierdurch kann jeder Patient dazu beitragen, dass diese lebenswichtigen Medikamente auch in Zukunft noch wirksam bleiben“, erklärt Dr. Hoffmann.

Das mit rund 17 Prozent am häufigsten verordnete Antibiotikum in NRW ist ein verändertes Penicillin, das so genannte Amoxicillin. Erfreulich ist, dass die Reserveantibiotika Fluorchinolone deutlich seltener verschrieben werden. Diese können beispielsweise zu einer Schädigung des Nervensystems oder zu Sehnenrissen führen. Die Gesundheitsbehörde hatte die Ärzte im April des letzten Jahres davor gewarnt, diese Antibiotika bei nicht schwerwiegenden Verläufen von Atemwegsinfektionen wie zum Beispiel Rachenentzündungen, Mandelentzündungen, einer akuten Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündung einzusetzen.

Der Fluorchinolon-Anteil an allen Antibiotika ist nach dieser Warnung in NRW erneut um rund 20 Prozent zurückgegangen und liegt jetzt ungefähr bei acht Prozent. „Ziel unserer gemeinsamen Kampagne ist es, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken und eine indikationsgemäße Verschreibung durch die Ärzte zu fördern“, so AOK-Chef Ackermann. So können Ärzte, Apotheker und Patienten gleichermaßen dazu beitragen, dass Antibiotika sinnvoll und verantwortungsbewusst eingesetzt werden.