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Videosprechstunde: Versorgung online sichern

31.03.2020 Praxisinfos

Fast alle Ärzte und Psychotherapeuten dürfen Videosprechstunden unbeschränkt anbieten und abrechnen. Diese Regelung ist im Kontext der Coronavirus-Pandemie entstanden. Ausgenommen sind lediglich Laborärzte, Radiologen, Nuklearmediziner und Pathologen.

Die massive Einschränkung sozialer Kontakte soll dazu beitragen, den Anstieg der Covid-19-Erkrankungen zu reduzieren – und vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen. Genau die sind es, die besonders häufig Praxen aufsuchen (müssen).

Videosprechstunden sind eine Alternative für einige persönliche Arzt-Patienten-Kontakte – ohne Infektionsrisiko. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben bisherige Begrenzungsregelungen aufgehoben: Fallzahl und Leistungsmenge bei Videosprechstunden sind nicht mehr limitiert. Die Videosprechstunde ist bei allen Indikationen erlaubt – auch dann, wenn ein Patient vorher noch nicht in der Praxis war.

Leistungen: Ärzte können per Videosprechstunde eine ganze Reihe von Leistungen anbieten, zum Beispiel ihren Patientinnen und Patienten  die weitere Behandlung am Bildschirm erläutern oder den Heilungsprozess einer Operationswunde begutachten. Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten dürfen alle Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie per Videosprechstunde durchführen und abrechnen. Um die psychotherapeutische Versorgung während der Coronavirus-Krise zu erleichtern, haben KBV und GKV-Spitzenverband zudem einige Sonderregelungen beschlossen. So dürfen Ärzte und Psychotherapeuten psychotherapeutische Sprechstunden und probatorischen Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) bis zum 30. Juni im Rahmen von Videosprechstunden durchführen und abrechnen.

Schmerztherapie

Schmerztherapeutische Gespräche können ab 1. April auch per Video erfolgen. Diese Möglichkeit besteht nicht nur während der Coronavirus-Pandemie, sondern dauerhaft. Die Voraussetzung zur Abrechnung der Gebührenordnungsposition (GOP) 30708 für die Beratung und Erörterung und/oder Abklärung im Rahmen der Schmerztherapie wird im EBM-Abschnitt 30.7.1 entsprechend angepasst.

Technik: Um Online-Videosprechstunde abzurechnen müssen die Praxen nachweisen, dass sie einen zertifizierten Videodienstleister einsetzen.

Darüber hinaus benötigen Praxen:

  • Internetanbindung mit den für Praxen empfohlenen Firewall-Einstellungen
  • Bildschirm (Monitor/Display), Kamera, Mikrofon, Lautsprecher
  • Einwilligung des Patienten

Patienten benötigen:

  • Internetanbindung
  • PC, Tablet oder Smartphone mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher

Kostenfreie Angebote: Das Health Innovation Hub, der digitale Think Tank des Bundesgesundheitsministeriums hat Anbieter zusammengestellt, die für die nächsten Monate einen kostenfreien Zugang zu ihren Lösungen anbieten.

Genehmigung: Alle Ärzte und Psychotherapeuten dürfen sofort mit der Abrechnung beginnen. Nur den Einstieg in die Videosprechstunde inklusive Zertifikat des Videodienstanbieters müssen Praxen der KV Nordrhein anzeigen. Auf eine Genehmigung braucht aber niemand zu warten; die schickt die KV den Praxen später zu.

Das ausgefüllte Formulare und Nachweise faxen oder senden Praxen an:

videosprechstunde@kvno.de

Fax: 0211-5970-33208

Abrechnung: Die Vergütung der Videosprechstunde läuft über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen. Die Pauschale nebst Zuschlägen wird in voller Höhe gezahlt, wenn im selben Quartal noch ein persönlicher Kontakt erfolgt. Erfolgt der Kontakt ausschließlich per Video, werden die Pauschale und gegebenenfalls die sich darauf beziehenden Zuschläge gekürzt.

Die Abrechnung ist mit der Pseudo-Gebührenordnungsposition (GOP) 88220 zu kennzeichnen, wenn der Patient in einem Quartal ausschließlich die Videosprechstunde „aufsucht". Die Regelung, wonach die Anzahl dieser Behandlungsfälle auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle des Arztes oder des Psychotherapeuten beschränkt ist, ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie für das zweite Quartal 2020 ausgesetzt.

Für Videokonferenzen gibt es verschiedene Zuschläge:

  • Der Technik-Zuschlag GOP 01450 (Bewertung: 40 Punkte / 4,33 Euro) ist neben der Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale berechnungsfähig und soll die Kosten für den Videodienst abdecken. Er ist bei allen Videosprechstunden beziehungsweise Videofallkonferenzen (zum Beispiel mit Pflegekräften) anzugeben. Den Zuschlag gibt es für maximal 50 Videosprechstunden pro Arzt und Quartal. Er ist damit auf rund 200 Euro begrenzt. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.
  • Die GOP 01451 dient als Anschubfinanzierung (92 Punkte). Praxen erhalten den Zuschlag für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführen. Die Anschubfinanzierung gibt es noch bis 30. September 2021

Ärzte und Psychotherapeuten können darüber hinaus bestimmte Leistungen für Gespräche, Fallkonferenzen, Fallbesprechungen und Einzelpsychotherapien abrechnen, die per Videosprechstunde erfolgen.

So starten Sie mit Neupatienten

Auch wenn ein Patient vorher noch nie in der Praxis war, ist die Videosprechstunde abrechenbar. Das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte ist nicht nötig; es reicht, wenn der Patient seine eGK in die Kamera hält, damit das Praxispersonal die Identität prüfen und die notwendigen Daten (Bezeichnung der Krankenkasse; Name, Vorname und Geburtsdatum des Versicherten; Versichertenart; Postleitzahl des Wohnortes; Krankenversichertennummer) einlesen kann. Der Patient bestätigt mündlich das Bestehen des Versicherungsschutzes. Für den Authentifizierungs-Aufwand ist die Gebührenordnungsposition 01444 abrechenbar. Auch Psychotherapien können sofort per Video starten, allerdings sollte nach Auskunft der Psychotherapeutenkammer NRW die mündliche Einwilligung des Patienten nicht nur dokumentiert, sondern möglichst noch in schriftlicher Form nachgereicht werden.

Infos: Wenn Sie Fragen zur Videosprechstunde haben, hilft Ihnen die IT-Beratung der KV Nordrhein gerne weiter.

Das ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin berät kostenfrei zur Nutzung der Videosprechstunde. Das ZTG informiert hilft bei der Suche nach einem passenden (KBV-zertifizierten) System und steht für technisch-organisatorische Fragestellungen zur Verfügung. Das Angebot ist kostenfrei. Praxen können sich per E-Mail wenden an:

videosprechstunde@ztg-nrw.de