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Praxen meistern die Pandemie: Das ambulante Bollwerk

12.08.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Deutschland hat die Pandemie bislang gut gemeistert – und das ist zum großen Teil ein Verdienst der Ärzte und Medizinischen Fachangestellten. Eine aktuelle Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) untermauert diese Erkenntnis mit Zahlen. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates Professor Ferdinand Gerlach konstatiert: „Der ambulante Sektor hat funktioniert.“

In einem Interview mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. erläutert Gerlach, dass es den Niedergelassenen zu verdanken sei, dass ein großer Teil der Infizierten nicht in die Krankenhäuser gegangen sei. „Bei uns gab es die Praxen und die Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigungen, die das verhindert haben.“ Deshalb seien die Infizierten nicht in die Kliniken gegangen, wo sie andere Menschen hätten anstecken können. Das sei in Italien und Frankreich passiert: „Die Krankenhäuser waren die Superspreader.“

850.000 Behandlungen

Der Trendreport des Zi für das erste Quartal 2020 belegt, was der ambulante Schutzwall geleistet hat. Allein im März haben die Arztpraxen demnach in Deutschland mehr als 850.000 Patienten wegen einer Infektion oder eines Infektionsverdacht auf das Coronavirus versorgt. Dazu kamen 350.000 Testungen. Tatsächlich dürften die Zahlen noch etwas höher liegen, weil in den Report Daten nur von 14 der bundesweit 17 Kassenärztlichen Vereinigungen eingeflossen sind. „Die niedergelassenen Ärzte haben ihre Leistungsbereitschaft und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt“, betonte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

Die Auswertung der Abrechnungsdaten zeigt einen großen Ansturm der Versicherten auf alle Vertragsarztpraxen in der ersten Märzhälfte 2020. Dies drückt sich in hohen Fallzahlen im ersten Quartal aus.

Keine Praxisschließungen

Ab dem Zeitpunkt der Schulschließungen Mitte März seien die Menschen dann zunehmend kon­sequent zuhause geblieben. Dies habe dazu geführt, dass in den Pra­xen die Fallzahlen einbrachen. Der beobachtete massive Rückgang in der Leistungsinanspruchnahme könne aber nicht darauf zurückgeführt werden, dass die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ihren Patienten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung gestanden hätten. Aus den Abrechnungsdaten der KVen lässt sich ablesen, dass die Anzahl abrechnender Hausärzte zum Beispiel nur 0,2 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum gelegen hat.

In der zweiten Märzhälfte ist die Zahl der Haus­- besuche im organisierten Notdienst spürbar angestiegen. Die Zahl der Fälle, in denen Patienten per Video behandelt wurden, und solche mit ausschließlich telefonischer Beratung haben erheblich zugenommen. „Der Bericht zeigt eindrucksvoll, dass die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Ver­sorgung während der kritischen Pandemiephase trotz zunächst mangelnder Schutzausrüstung gewährleistet wurde“, kommentierte Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender, die Zahlen. Er belege auch die Flexibilität der ärztlichen Versorgung.

Frank Naundorf