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Tests auf Coronavirus massiv ausgeweitet: Mit Abstrichen gegen die zweite Welle

12.08.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Angesichts steigender Zahlen von Neuinfektionen Ende Juli und Anfang August wurden die Testungen hochgefahren: für Kita-Beschäftigte und Lehrer, für Reiserückkehrer zunächst aus Risikogebieten – und seit 1. August 2020 für alle Urlauber.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkam, musste sich seit 25. Juli auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 testen lassen. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Ende Juli auf den Weg gebracht. Zunächst waren an den Flughäfen Abstrichzentren eingerichtet worden, in denen sich Reiserückkehrer freiwillig und kostenlos testen lassen konnten.

Testzentrum Flughafen Düsseldorf

Arzt wartet auf einen Reiserückkehrer für einen Corona-Test.

Rund 2,5 Prozent der Urlauber positiv

Im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) hatte die KV Nordrhein eine Teststelle am Flughafen Düsseldorf eingerichtet. Mit großem Erfolg: In der ersten Woche wurden bereits 9.700 Abstriche durchgeführt. 163 Tests fielen positiv aus, das entspricht rund 2,5 Prozent.

Am Ende des Terminals C wurde in zwei Schichten mit jeweils zwei bis drei Ärzten parallel getestet, sieben Tage die Woche, von 6 bis 23 Uhr. Innerhalb von drei Tagen entstanden über ein Dutzend Anmeldetresen, Abstrichkabinen und ein Labor im Bereich des Gepäckbands 20. „Wir haben in kürzester Zeit in Abstimmung mit dem Ministerium und mit großer Unterstützung des Flughafens Düsseldorf sowie der KV-Kreisstelle Düsseldorf und mit großem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Voraussetzungen für Testungen in großer Zahl geschaffen“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Pressekonferenz Testzentrum Flughafen Düsseldorf

Großes Medieninteresse bei der Eröffnung des Testzentrums am Flughafen Düsseldorf: Den Fragen der Journalisten stellten sich (v. li.): KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann, Flughafen-Geschäftsführer Thomas Schnalke und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Die Proben gehen vier Mal am Tag direkt ins Labor – und nach Bedarf. Die Reisenden können ihr Testergebnis in der Regel innerhalb von drei Tagen über einen QR-Code abrufen. Alle Flugzeuge, die aus einem vom RKI definierten Risikogebiet kommen, werden zum Terminal C geleitet. Lautsprecherdurchsagen, Monitore und Hinweisschilder weisen Fluggäste auf das Testzentrum hin.

Dr. med. Henrik Wroblewski ist dem kurzfristigen Aufruf der KVNO-Kreisstelle Düsseldorf gefolgt und engagiert sich seit dem Start der Einrichtung. „Die Testungen sind aus meiner Sicht eine gute Sache und liefern eine solide Basis für das weitere Vorgehen in der aktuellen Pandemie. Je mehr Abstriche hier durchgeführt werden, desto besser“, so der Düsseldorfer Anästhesist im Ruhestand. Am Flughafen Weeze entstand ein kleineres Testzentrum, das die KV Nordrhein betreibt.

Seit dem 1. August haben alle Personen, die nach Deutschland einreisen, Anspruch auf einen Test – innerhalb von 72 Stunden nach Einreise. Dies gilt auch für Menschen, die sich innerhalb Deutschlands in einem Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko aufgehalten haben. Bundesgesundheitsminister Spahn hat Anfang August zudem eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten angekündigt. Details war zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht in bekannt.

Testen von Lehrern und Erziehern

Mit Blick auf den geplanten Regelbetrieb an Schulen und in Kindertagesstätten hatten NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, sein Amtskollege Joachim Stamp (Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration) und Schulministerin Yvonne Gebauer vereinbart, dass sich alle Beschäftigten an den öffen­tlichen und privaten Schulen sowie in der Kindertagesbetreuung auf das Coronavirus testen lassen können. Die Tests sind bis zum 9. Oktober alle 14 Tage möglich, freiwillig und kostenlos.

Das betrifft rund 153.000 Beschäftigte in der Kindertagesbetreuung (Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonen) und über 210.000 Mitarbeiter an den Schulen (Lehrpersonal, Beschäftigte des Offenen Ganztags, sonstiges sozial-/pädagogisches und nicht pädagogisches Personal). Die Kosten für die Testungen übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen.

Das Angebot soll Unsicherheiten der Lehrkräfte entgegenwirken. Künftig sollen alle am Schulleben Beteiligten sofort und umfänglich getestet werden, sofern in einer Schule ein Infektionsgeschehen auftritt. Sollten bei den Testungen Infektionsfälle mit dem Coronavirus festgestellt werden, entscheiden die Gesundheitsämter über weitere Maßnahmen.

Um die in NRW vorhandenen Laborkapazitäten von derzeit rund 240.000 Testungen pro Woche nicht zu überfordern, sollen die Tests wöchentlich abwechselnd stattfinden. „Gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen haben wir ein einfaches und unbürokratisches Verfahren erarbeitet. Eine Bescheinigung des Arbeitgebers reicht aus, um sich in einer Vertragsarztpraxis alle 14 Tage testen zu lassen. Ich hoffe, dass die kostenlosen Testmöglichkeiten den Beschäftigten mehr Sicherheit geben, um auch in Schulen und Kitas wieder ein Stück weit mehr Normalität herzustellen. Ich danke ausdrücklich auch den Ärztinnen und Ärzten, die uns bei den Testungen unterstützen“, erklärt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Jana Meyer und Frank Naundorf