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Fünf Konstellationen unterscheiden: Corona-Tests richtig abrechnen

12.08.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

So dynamisch, wie sich das Infektionsgeschehen veränderte, entwickelte sich auch die Teststrategie. Wir haben die fünf Testkonstellationen für Sie zusammengefasst.

1. Begründeter Verdacht auf eine Infektion (kurativer Test)

Laut Robert Koch-Institut sollte eine Person getestet werden, wenn aufgrund von Anamnese, Symptomen oder Befunden ein Verdacht besteht, der mit einer SARS-CoV-2-Infektion vereinbar ist. Kriterien dafür sind:

  • akute respiratorische Symptome jeder Schwere und/oder Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn bei allen Patienten unabhängig von Risikofaktoren
  • Kontakt zu bestätigtem Covid-19-Fall bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn und jegliche mit Covid-19 vereinbare Symptome
  • klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie und Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung/Krankenhaus

Liegt eines der Kriterien vor, kann der Vertragsarzt einen Abstrich vornehmen und die Laboruntersuchung mit dem neuen Formular-Muster 10C veranlassen. Die Abrechnung erfolgt über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM).

2. Test nach Risikobenachrichtigung durch die Corona-Warn-App

Versicherte, die über die neue Corona-Warn-App die Benachrichtigung über ein "erhöhtes Risiko" erhalten, können sich ebenfalls an eine Vertragsarztpraxis wenden und gegebenenfalls testen lassen. Die Kosten übernimmt die GKV.

Abrechenbar sind folgende Leistungen:

  • Arzt-Patienten-Gespräch und/oder Abstrich: GOP 02402 (91 Punkte/10 Euro) extrabudgetär zusätzlich zur Grund-/ Versichertenpauschale; die Kennzeichnung mit der Ziffer 88240 ist nicht zulässig; Veranlassung des PCR-Tests über Muster 10C
  • Laborleistung: PCR-Test (GOP 32811: 39,40 Euro) plus ärztliche Leistung (GOP 12221: 14 Punkte/1,54 Euro) und Kostenpauschale (GOP 40101: 2,60 Euro)

3 (Reihen-)Testungen asymptomatischer Personen nach RVO

Per Rechtsverordnung (RVO) hat das Bundesgesundheitsministerium auch die Testung von Personen ermöglicht, die keine COVID-19-Symptome zeigen, zum Beispiel in Kitas, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheimen oder bei lokalem Ausbruchsgeschehen. Möglich ist ein Test auch bei Kontakt zu infizierten Personen sowie nach der Meldung eines "erhöhten Risikos" durch die Corona-Warn-App, wenn die Person ein Gesundheitsamt aufsucht. Vertragsärzte dürfen bei asymptomatischen Personen nur nach Auftrag durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) Abstriche vornehmen.

Die Vergütung dieser Leistung erfolgt allerdings nicht über den EBM, sondern auf Basis eines Rahmenvertrags, sofern der jeweilige Kreis beziehungsweise die Kommune diesem beigetreten ist. Wenn der Kreis beziehungsweise die Kommune dem Rahmenvertrag der KV Nordrhein nicht beigetreten ist, erfolgt die Abrechnung der ärztlichen Leistungen rund um den Abstrich nach GOÄ gegenüber dem zuständigen Gesundheitsamt.

Die Vergütung der Laborleistungen ist dagegen einheitlich geregelt und wird mit 50,50 Euro honoriert. Die Abrechnung läuft über die Kassenärztliche Vereinigung. Für die Beauftragung des Labortests gibt es ein neues Muster OEGD, das nur über das Gesundheitsamt zu beziehen ist.

4 Test von Beschäftigten in Schulen und Kitas

Bis zum 9. Oktober 2020 können sich Beschäftigte an öffentlichen und privaten Schulen sowie in der Kindertagesbetreuung alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen - unabhängig davon, ob sie in der GKV oder privat versichert sind. Berechtigt zur Durchführung der Abstriche sind alle Vertragsärzte in NRW. Auch die Diagnostik- und Testzentren, die mit einer eigenen Betriebsstättennummer ausgestattet sind, dürfen testen.

Für den Mund-Nasen-Abstrich und die Veranlassung des Labortests erhalten Vertragsärzte 20 Euro je Patient. Die Laborleistung wird mit 43,54 Euro je PCR-Test honoriert. Die Praxis legt einen Abrechnungsschein an. Die Abrechnung erfolgt über die Praxisverwaltungssoftware (PVS) und wird quartalsmäßig mit der regulären Abrechnung an die KVNO übermittelt. Eine parallele privatärztliche Abrechnung beziehungsweise eine Abrechnung der Leistungen zulasten der GKV ist ausgeschlossen.

Damit die Abrechnung korrekt übermittelt werden kann, sollten auch folgende ICD-Kodes in den Abrechnungsschein eingetragen werden:

  • U99.0, "Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2"
  • Z11G, "Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten"

5 Tests von Einreisenden

Seit 1. August 2020 haben alle Personen, die nach Deutschland einreisen, Anspruch auf einen Corona-Test. Voraussetzung ist lediglich, dass der Test innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise erfolgt und der Auslandsaufenthalt nachgewiesen wird, zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket oder eine Hotelrechnung. Eine einmalige Wiederholungstestung ist möglich.

Vertragsärzte erhalten für alle mit dem Abstrich verbundenen Leistungen pauschal 15 Euro. Dazu zählen neben dem Abstrich auch die Beratung und gegebenenfalls das Ausstellen eines ärztlichen Zeugnisses über das Testergebnis der SARS-CoV-2-Testung. Sie rechnen die pauschalen Vergütungen quartalsweise mit ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab. Die Laboruntersuchung wird über das Muster OEGD veranlasst. Tests von Personen, die sich in einem Risikogebiet aufhalten oder aufgehalten haben, fallen weiterhin ins Aufgabengebiet des ÖGD. Dieser kann dafür Vertragsärzte beauftragen.

Thomas Lillig