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Sonderregelungen erleichtern den Krisenbetrieb: Hilfen im Krisenbetrieb

25.05.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Der Großteil der Covid-19-Patienten wird ambulant behandelt. Damit die Praxen dies stemmen können, wurden etliche Sonderregelungen eingeführt. Die meisten dienen dazu, die Praxen von bürokratischen Regelungen zu entlasten. Wir haben die wichtigsten Regelungen zusammengestellt.

Gilt unbefristet:

Extrabudgetäre Vergütung für alle Covid-19-Leistungen

Für die ambulante medizinische Versorgung von Coronavirus-Patienten wird zusätzliches Geld bereitgestellt. Alle ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind, werden seit dem 1. Februar 2020 in voller Höhe extrabudgetär bezahlt. Ärzte kennzeichnen die Fälle dazu mit der Ziffer 88240.

Seit 1. April gibt es für die Kennzeichnung von Leistungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus ein neues Verfahren. Es wird nicht mehr der gesamte Fall gekennzeichnet, sondern der Arzt dokumentiert die Ziffer 88240 an allen Tagen, an denen er den Patienten wegen des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus behandelt.

Fortbildung: Nachweisfrist der Fortbildungsverpflichtung verlängert

Da derzeit keine Präsenzfortbildungen stattfinden, haben Ärzte und Psychotherapeuten ein Quartal mehr Zeit, die nötigen 250 CME-Punkte nachzuweisen.

Gilt bis 31. Mai 2020

Folgeverordnungen auch nach telefonischer Anamnese

Ärzte dürfen Folgeverordnungen auch nach telefonischer Anamnese ausstellen und postalisch an den Versicherten übermitteln. Bei der Krankenbeförderung gilt die Sonderregelung ebenso für Vertragspsychotherapeuten,
Voraussetzung ist, dass der verordnende Arzt oder Psychotherapeut den Versicherten bereits zuvor aufgrund derselben Erkrankung persönlich untersucht hat, er ihm also bekannt ist.

Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln sowie anderen Leistungen

Heilmitteltherapien können für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden. Auch die Maximalfrist zwischen Verordnungsdatum und Therapiebeginn wird vorerst aufgehoben. In beiden Fällen behalten ärztliche Verordnungen ihre Gültigkeit. Die Lockerungen betreffen auch Hilfsmittel sowie die häusliche Krankenpflege und Krankenfahrten zu einer vor- oder nachstationären Behandlung.

Krankentransporte zur ambulanten Behandlung genehmigungsfrei

Krankentransporte zu einer ambulanten Behandlung von Covid-19-Patienten sind genehmigungsfrei. Dies gilt auch für Patienten, die nach behördlicher Anordnung unter Quarantäne stehen. Ärzte und Psychotherapeuten, die einen solchen Krankentransport (nicht: Krankenfahrt im Taxi) veranlassen, müssen die Verordnung kennzeichnen. Dazu geben sie auf dem Formular für die Krankenbeförderung (Muster 4) an, dass es sich um einen nachweislich Covid-19-Erkrankten oder einen gesetzlich Versicherten in Quarantäne handelt. Wichtig: Die ambulante Behandlung, zu der ein Krankentransport verordnet wird, muss zwingend medizinisch notwendig und nicht aufschiebbar sein.

Entlassmanagement: Verordnungen jetzt für bis zu 14 Tage

Krankenhäuser können für einen längeren Zeitraum nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zum Übergang in die ambulante Versorgung Leistungen veranlassen beziehungsweise Bescheinigungen ausstellen. Konkret sind es jetzt 14 Tage. Dabei geht es um folgende Leistungen: AU-Bescheinigung, häusliche Krankenpflege, Hilfsmittel, Soziotherapie, Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung sowie Heilmittel. Hier wurde die 12-Kalendertage-Frist, bis zu der die vom Krankenhaus verordnete Heilmittelbehandlung abgeschlossen sein muss, auf eine 21-Kalendertage-Frist erweitert.

Gilt bis 30. Juni 2020

Videosprechstunde unbegrenzt möglich

Ärzte und Psychotherapeuten können unbegrenzt Videosprechstunden anbieten. Die bisherigen Beschränkungen für den Einsatz der Videosprechstunde sind für das zweite Quartal aufgehoben. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge nicht limitiert. Die Videosprechstunde ist bei allen Indikationen möglich und auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei dem Arzt in Behandlung war. Auch ärztliche und psychologische Psychotherapeuten dürfen bestimmte Leistungen per Videosprechstunde durchführen und abrechnen.

Mehr Telefonkonsultationen abrechenbar

Psychotherapeuten und Ärzte können Patienten, die nicht in die Praxis kommen können, jetzt öfter und länger auch telefonisch betreuen. Die Telefonkonsultation ist nur bei bekannten Patienten möglich. „Bekannt“ heißt: Der Patient war in den zurückliegenden sechs Quartalen wenigstens einmal in der Praxis.

  • Psychologische Psychotherapeuten, Nervenärzte, Neurologen, Psychiater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychiater: Abrechenbar sind pro Patient bis zu 20 Telefongespräche von mindestens 10 Minuten Dauer. Die Abrechnung erfolgt über die neu eingeführte GOP 01433.
  • Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte, Schmerztherapeuten: Sie können zusätzlich zur telefonischen Beratung der GOP 01435 bis zu sechsmal fünfminütige Telefongespräche abrechnen. Die Abrechnung erfolgt über die neue GOP 01434.
  • Gynäkologen, HNO-Ärzte, Dermatologen, alle fachärztlich tätigen Internisten, Orthopäden, Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen sowie Urologen: Für diese Fachgruppen ist die GOP 01434 fünfmal pro Patient abrechenbar, für alle anderen Fachärzte zweimal.

Psychotherapie: Umwandlung Gruppen- in Einzeltherapie

Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden, ohne dass hierfür eine gesonderte Antragstellung bei der Krankenkasse oder eine Begutachtung erfolgen muss. Die Umwandlung erfolgt über die „Therapieeinheit“ und muss lediglich formlos der Krankenkasse mitgeteilt werden.

Gruppentherapien sind weiter möglich. Ob es zumutbar ist, sie durchzuführen, müssen Therapeuten abwägen. Sie sollten kritisch prüfen, ob dies unter Beachtung des Infektionsschutzes möglich ist oder gegebenenfalls ein verstärktes Angebot von Einzelkontakten über einen begrenzten Zeitraum sinnvoller ist.

Portokosten für Folgerezepte, Verordnungen und Überweisungen

Für den Versand von Arzneimittelrezepten und andere Verordnungen sowie Überweisungen werden Ärzten die Portokosten mit 90 Cent erstattet. Patienten müssen damit nicht in die Praxis kommen, um sich nur ein Rezept oder eine Verordnung abzuholen. Möglich ist das allerdings nur, wenn der Patient bei dem Arzt bekannt ist, also zumindest einmal in den zurückliegenden sechs Quartalen in der Praxis war. In diesem Fall muss die eGesundheitskarte nicht eingelesen werden: Die Versichertendaten aus der Patientenakte dürfen übernommen werden. Die Versandkosten werden mit der GOP 40122 abgerechnet.

Geräte- oder Stichprobenprüfungen ausgesetzt

Angesichts der Coronavirus-Krise können die Kassenärztlichen Vereinigungen viele Qualitätssicherungs-Maßnahmen vorübergehend aussetzen oder von den Bundesvorgaben abweichen. Die KV Nordrhein setzt folgende Maßnahmen bis zum 30. Juni aus:

  • Stichprobenprüfungen sowie Überprüfungen zur Aufrechterhaltung der fachlichen Befähigung
  • Frequenzregelungen
  • Konstanzprüfungen für Ultraschallgeräte
  • Überprüfung der Mindestpatientenzahl im Rahmen der Schmerztherapie-Vereinbarung nach der GOP 30704 EBM
  • Fallsammlungsprüfungen Mammographie
  • Überprüfung leistungsbereichsspezifischer Fortbildungsnachweise

Die halbjährliche Hygieneüberprüfung der Koloskopie durch die Hygieneinstitute wird weiterhin durchgeführt.

Gilt bis 30. September 2020

U-Untersuchungen: Untersuchungszeiträume ab U6 ausgesetzt

Ärzte können Kinder-Früherkennungsuntersuchungen ab der U6 jetzt auch durchführen und abrechnen, wenn die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten überschritten sind. KBV und GKV-Spitzenverband haben vereinbart, dass diese festen Zeiträume für die U6, U7, U7a, U8 und U9 ausgesetzt werden.

Gilt bis 31. Dezember 2020

DMP: Kontrolluntersuchungen und Schulungen dürfen ausfallen

Die Verpflichtung zur Dokumentation wurde für die Quartale 1/2020 bis 3/2020 und die Schulungsverpflichtungen bis 4/2020 ausgesetzt. Ärzte müssen somit keine Ausschreibung ihrer Patienten aus den Disease-Management-Programmen (DMP) befürchten, wenn es sich um vermeidbare Praxisbesuche handelt beziehungsweise sie diese zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion nicht einbestellen und deswegen keine Dokumentationen erstellt werden.

Frank Naundorf