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Achtung: Antibiotika-Resistenzen: Schwerter drohen stumpf zu werden

20.03.2020 KVNO aktuell, Verordnungsinfos

„Antibiotika gehören zu den schärfsten Schwertern der Menschheit im Kampf gegen Infektionskrankheiten“, betont Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Bei unsachgemäßem Einsatz von Antibiotika werde jedoch die Entstehung resistenter Bakterien beschleunigt. Damit verliert die Medizin ihre therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung bakterieller Infektionen – das Schwert droht stumpf zu werden.

Das will die KV Nordrhein verhindern. Deswegen steht das Thema Antibiotikaverordnungen seit einigen Jahren in Nordrhein im Fokus. Im Jahr 2011 beispielsweise erschien eine Extra-Ausgabe von KVNO aktuell, die auf die Verordnung von Antibiotika bei den häufigsten Indikationen einging.

Das Foto zeigt eine Frau mit einem runden Laborglasbehälter.

Die Bemühungen zeigen Wirkung. In Nordrhein-Westfalen werden zunehmend weniger Antibiotika verordnet. Im ersten Halbjahr 2019 ist die Anzahl der Verordnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 14 Prozent gesunken. Dennoch gibt es in der Verschreibung von
Antibiotika je Versichertem weiterhin ein deutliches West-Ost-Gefälle: In den neuen Bundesländern werden bezogen auf die Zahl der Versicherten bis zu dreißig Prozent weniger Antibiotika verordnet als in den west­lichen Bundesländern, etwa in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Kampagne in NRW

Das soll sich in Nordrhein-Westfalen ändern. Anfang Dezember 2019 startete die Kampagne „Rationale Antibiotikaversorgung in Nordrhein-Westfalen“. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium NRW wollen Apothekerkammern, Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen die Bevölkerung für den sachgerechten Umgang mit den lebenswichtigen Medikamenten sensibilisieren. Um öffentlich zu informieren, erhielten Praxen, Apotheken, Krankenhäuser und die Geschäftsstellen der Krankenkassen die von der Initiative gemeinsam erarbeiteten Poster und Faltblätter.

Projekte in Nordrhein

Es gibt indes noch weitere Projekte in Nordrhein, die das Ziel verfolgen, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren und die Auswahl der Antibiotika auf die Standardwirkstoffe zu lenken.

Die Grafik zeigt Anteil der Antibiotikapatienten Ihrer Praxis im Vergleich zu allen Praxen der Fachgruppe
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Der Antibiotikaberichte im KVNO-Portal zeigt unter anderem, wie hoch der Anteil der Patienten mit mindestens einer Antibiotikaverordnung im Vergleich zu den anderen Praxen der Fachgruppe ist.

Antibiotikaprojekt von KVNO und BKK Landes­verband Nordwest

Das Projekt wurde 2019 beendet, 48 Ärzte und 1474 Patienten in Essen, Duisburg, Mülheim haben daran teilgenommen. Durch den Einsatz eines Streptokokken-Schnelltests und eines Antibiogramms wurde unter anderem eine Reduktion des Antibiotikaverbrauchs um 17 Prozent bei akuten Entzündungen im Hals-Nasen-Rachen-Raum erreicht.

RESIST-Projekt

Hier ging es um die „Resistenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfekten“. Das Projekt lief bis zum zweiten Quartal 2019 als Innovationsfonds-Projekt, realisiert von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Verband der Ersatzkassen und neun Kassenärztlichen Vereinigungen, darunter die KV Nordrhein. Allein 320 Ärztinnen und Ärzte aus dem Rheinland haben über zwei Jahre an dem Projekt teilgenommen.

Voraussetzung war eine Online-Schulung zum rationalen Einsatz von Antibiotika und nachfolgend das intensive Patientengespräch, das separat vergütet wurde. Die endgültige bundesweite Analyse ist noch nicht beendet. In einer Zwischenauswertung konnte jedoch schon gezeigt werden, dass die Teilnehmer am RESIST-Projekt weniger Antibiotika verordnen und die Verordnungen stärker zurückgegangen sind als in der Vergleichsgruppe.

Individuelle Antibiotikaauswertungen

Zur Orientierung der Praxen in Nordrhein stellt die KV Nordrhein im KVNO-Portal individuelle Antibiotikaauswertungen für die Fachgruppen der Hausärzte und hausärztlichen Internisten, HNO-Ärzte, Kinderärzte, Urologen, Dermatologen, Gynäkologen und Pneumologen seit dem zweiten Quartal 2019 zur Verfügung. Hier können die Praxen auf einen Blick erkennen, ob sie im Vergleich zur Fachgruppe mehr oder weniger Antibiotika als der Durchschnitt verordnen und welche die Top-10-Antibiotika in der Praxis und in der Fachgruppe sind.

Dr. Holger Neye