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„Diagnosen angeben, sonst verschenken Sie Geld“

03.02.2020 DMP, KVNO aktuell

Im Jahr 2003 starteten die ersten beiden Disease-Management-Programme (DMP). Vier weitere sind 2004 und 2006 dazugekommen. Nun stehen die nächsten DMP vor der Tür. Wir sprachen mit dem KVNO-Vorstand Dr. med. Frank Bergmann und Dr. med. Carsten König über die strukturierten Behandlungsprogramme.

Die Krankenkassen und die KV Nordrhein lassen seit 2003 die DMP wissenschaftlich auswerten. Was haben die Praxen davon?

König: Sie können die Auswertungen zum Beispiel sehr gut in die Qualitätszirkel-Arbeit einbringen. Einmal im Jahr könnte man auf Basis der Daten checken, wo es regional Verbesserungspotenzial gibt.

An was denken Sie da zum Beispiel?

König: Ich könnte als Hausarzt hinterfragen, ob ich nicht mehr COPD-Patienten vom Rauchen wegbekomme oder bei den Patienten mit Diabetes in meiner Praxis noch mehr darauf achten, dass sie Kontrolluntersuchungen bei anderen Fachärzten wahrnehmen, um zum Beispiel Amputationen zu vermeiden.

Das Foto zeigt Dr. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender

Sind die DMP ein Erfolgsmodell?

König: Auf jeden Fall. Die strukturierte Versorgung in den Programmen hilft, die gesetzten Ziele zu erreichen. Und das gelingt uns bereits bei fast allen Zielen. So hat zum Beispiel der Anteil geschulter Patienten, aber auch die Verordnung einer prognoserelevanten Medikation seit Einführung der DMP zugenommen. Unterm Strich machen DMP also die Versorgung besser.

In diesem Jahr stehen mit Herzinsuffizienz, Rücken und Depression weitere DMP an. Wie verändert das die Versorgung in diesen Bereichen?

Bergmann: Es werden Standards für Behandlungsprozesse definiert. Das kann in einigen Gebieten von Vorteil sein. Es gibt aber auch Indikationen, bei denen wir schon gut laufende Prozesse implementiert und Netzwerke aufgebaut haben, zum Beispiel bei der Behandlung von Depressionen im Rahmen des sehr erfolgreichen NPPV-Modells. Hier müssen wir beobachten, ob uns ein DMP in diesem Bereich wirklich weiterbringt.

Gibt es bei den bestehenden DMP Punkte, die noch nicht rund laufen?
Das Foto zeigt Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender

Bergmann: Natürlich gibt es die. Dies betrifft derzeit vor allem die Angabe der Diagnosen, zu denen die Praxen verpflichtet sind. Fehlen die Diagnosen, dann muss die KV den Praxen die DMP-Honorare für die behandelten Patienten abziehen. Rund 600.000 Euro sind deswegen an die Krankenkassen für das dritte Quartal 2019 zurückgeflossen. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Die Kolleginnen und Kollegen sollten deswegen darauf achten, die Diagnosen anzugeben, sonst verschenken sie Geld.

Gibt es noch mehr vermeidbare Fehler rund um die DMP?

Bergmann: Häufig werden die DMP Asthma bronchiale und COPD verwechselt: Der Patient ist im DMP COPD eingeschrieben, abgerechnet werden die Ziffern aus dem DMP Asthma bronchiale. Das kann leider nicht vergütet werden. Und viele Praxen vergessen, die Laborsonderziffern 32015 für die orale Antikoagulantientherapie, die 32022 für Patienten mit manifestem Diabetes mellitus und die 32018 bei Patienten mit Nierenschädigung einzutragen. Die Laborleistungen aus dem Kapitel 32 des EBM fallen dann ins Laborbudget – mit dem Risiko, dass der Bonus geringer ausfällt.

Die Fragen stellte Frank Naundorf