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Minister Laumann: Unser schärfstes Schwert droht stumpf zu werden

02.12.2019 Pressemitteilungen

Weltweit verdanken ihnen Millionen Menschen ihr Leben: Antibiotika. Doch aufgrund übermäßiger und oft falscher Verwendung bilden sich immer mehr antibiotikaresistente Bakterienstämme. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann stellte deshalb am Montag (2. Dezember 2019) die Kampagne "Rationale Antibiotikaversorgung in Nordrhein-Westfalen" vor. Die gemeinsam mit den Apothekerkammern, den Ärztekammern, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen initiierte Aktion soll die Bevölkerung für den sachgerechten Umgang mit den lebenswichtigen Medikamenten sensibilisieren. Hierzu erhalten Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäuser und die Geschäftsstellen der Krankenkassen die von der Initiative gemeinsam erarbeiteten Poster und Faltblätter, um die Öffentlichkeit zu informieren.

"Antibiotika gehören zu den schärfsten Schwertern der Menschheit im Kampf gegen Infektionskrankheiten", betonte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. "Durch ihren Einsatz können Erkrankungen behandelt werden, die ohne ihre Anwendung deutlich schwerer, häufig sogar tödlich verlaufen." Bei unsachgemäßem Einsatz von Antibiotika werde jedoch die Entstehung von resistenten Bakterien beschleunigt. "Damit verliert die Medizin ihre therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen - das Schwert droht stumpf zu werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist ein zurückhaltender und verantwortungsbewusster Antibiotikaeinsatz unbedingt erforderlich", forderte Laumann.

Das Foto zeigt: Dr. med Karheinz Großgarten,  Gabriele Regina Over-wiening, Karl-Josef Laumann und Tom Achermann (v. L.)

Das Foto zeigt: Dr. med Karheinz Großgarten, Gabriele Regina Overwiening, Karl-Josef Laumann und Tom Ackermann (v. L.)

So wirken Antibiotika zum Beispiel in den seltensten Fällen gegen Erkältungskrankheiten: Sie werden zu 90 Prozent durch Viren ausgelöst, Antibiotika wirken dagegen nur gegen Bakterien. "Ziel unserer gemeinsamen Kampagne ist es, die Gesundheitskompetenz der Menschen in Nordrhein-Westfalen zu stärken. Wir möchten sie über den sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufklären und für einen sorgsamen Umgang damit sensibilisieren", sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest für die gesetzlichen Krankenkassen.

Als Initiator der Kampagne stellte Ackermann deren Inhalte vor. Mit der groß angelegten Initiative werden die Menschen in Nordrhein-Westfalen flächendeckend über das Thema Antibiotika informiert. Höhepunkt ist eine Aktionswoche vom 10. bis zum 15. Februar nächsten Jahres mit zahlreichen zusätzlichen Aktivitäten. Dazu gehören Patientenveranstal-tungen, konkrete Beratungsangebote der Kooperationspartner vor Ort, Informationsstände, Telefonaktionen oder Social-Media-Aktivitäten.

"Antibiotika sind unverzichtbare Medikamente, die aber nicht häufiger als nötig angewendet werden sollten", erläuterte Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. "Wenn Antibiotika zum Einsatz kommen, ist es auch entscheidend, dass sie korrekt eingenommen werden. Die Apotheken in Nordrhein-Westfalen nutzen ihre mehr als 200 Millionen Patientenkontakte im Jahr dazu, um über die sinnvolle Anwendung und richtige Einnahme von Antibiotika zu informieren, und helfen den Patientinnen und Patienten dabei, den Überblick über alle eingenommenen Arzneimittel zu behalten."

Auch die Ärzteschaft ist sich ihrer besonderen Verantwortung beim Thema Antibiotika bewusst: "Wir arbeiten in zahlreichen Initiativen und Projekten gemeinsam daran, den Einsatz von Antibiotika auf jene Anwendungsgebiete zu konzentrieren, in denen er wirklich Sinn macht," sagte Dr. med. Karlheinz Großgarten, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein: "Nach einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung sind die Antibiotika-Verordnungszahlen im Bund zwischen 2010 bis 2018 um 21 Prozent gesunken - in der Kinder- und Jugendmedizin in den vergangenen zehn Jahren sogar um gut 40 Prozent. Der Trend geht damit in die richtige Richtung. Die neue Kampagne wird uns bei unserer intensiven Aufklärungs- und Informationsarbeit unter Ärzten und Patienten zusätzlichen Schub verleihen."

Weitere Informationen zur Kampagne:

In Nordrhein-Westfalen liegen die Antibiotika-Verordnungen durchschnittlich rund zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der übermäßige Gebrauch von Antibiotika fördert aber Resistenzen. Damit verlieren Antibiotika ihre Wirkung und Patienten kann bei bestimmten Erkrankungen nicht mehr geholfen werden. Die Kampagne "Rationale Antibiotikaversorgung in NRW" unter Federführung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen, Ärzten, Apotheken, der Krankenhausgesellschaft sowie der Landesbehinderten- und Patientenbeauftragten in Nordrhein-Westfalen möchte dem entgegenwirken und zu mehr Patientensicherheit beitragen. Ziel der Kampagne ist es, eine indikationsgemäße Verschreibung von Antibiotika durch die Ärzte zu fördern und die Patienten über die richtige Anwendung aufzuklären. Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Telefon 0211 855-3118.