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Strukturfonds fördert Niederlassung in Nordrhein: Eine Erfolgsgeschichte

25.09.2019 KVNO aktuell

Vor einem Jahr starteten die ersten Fördermaßnahmen des Strukturfonds der KV Nordrhein, um gezielt Niederlassungen im hausärztlichen Bereich zu unterstützen. Eine erste Zwischenbilanz fällt sehr gut aus – und nun wird die Initiative noch ausgeweitet.

Als wichtigstes Förderinstrument haben sich Investitionskostenzuschüsse bei der Aufnahme einer Tätigkeit im hausärztlichen Bereich etabliert. Im ersten Jahr des Strukturfonds hat die KV Nordrhein 17 selbstständige Niederlassungen finanziell gefördert – und das ist nicht die einzige Maßnahme.

Das Foto zeigt eine Ärztin mit einem Sparschwein und einem Schild mit der Aufschrift "Praxisgründung"
70.000 Euro für Sitz oder Anstellung

Auch die Beschäftigung in einer Anstellung unterstützt der Fonds – genauso wie die Übernahme eines Sitzes als selbstständige Ärztin oder Arzt. Auch hier sind 17 Förderanträge bewilligt worden. „Wir sind sehr erfreut über die Resonanz auf unsere Förderprogramme. Sie zeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen und attraktive Unterstützungsangebote für niederlassungswillige Nachwuchsärztinnen und -ärzte geschaffen haben“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. In beiden Fällen können bei einem vollen Versorgungsauftrag bis zu 70.000 Euro an Förderung gewährt werden. „Die ersten Zahlen bestärken uns in dieser Entscheidung“, führt Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, aus.

Wichtig dabei ist, dass Investitionskostenzuschüsse nur in bestimmten Fördergebieten beantragt werden können. Bei deren Auswahl wird neben der Anzahl der aktuell besetzten Sitze im Unterschied zur Bedarfsplanung zusätzlich die Altersstruktur der Ärzteschaft berücksichtigt. Zum Start des Strukturfonds im Oktober 2018 wurden 19 nordrheinische Mittelbereiche als Fördergebiete ausgewählt. Bereits im Januar 2019 konnte bei der halbjährlichen Aktualisierung der Liste der Förderregionen der Mittelbereich Bedburg im Rhein-Erft-Kreis als Fördergebiet wieder gestrichen werden.

Die Grafik zeigt die Fördergebiete des Strukturfonds in Nordrhein, Stand Juli 2019
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Die rot eingefärbten Bereiche sind die Fördergebiete des Strukturfonds in Nordrhein. In diesen Gebieten werden zum Beispiel Neugründungen, Übernahmen und Anstellungen von Haus­ärzten mit bis zu 70.000 Euro gefördert.

Versorgungsgrade steigen

Mehrere Förderungen führten zu einer deutlichen Erhöhung des Versorgungsgrades. Im Juli 2019 veränderte sich die Liste wiederum. Wülfrath im Kreis Mettmann wurde gestrichen, dafür kamen die Stadt Solingen und der Mittelbereich Grevenbroich hinzu. Zudem wurde mit der Gemeinde Kürten erstmals ein Teil eines Mittelbereichs Fördergebiet. „Kürten wird von relativ wenigen Hausärzten versorgt, in der Bedarfsplanung aber in einem Mittelbereich mit dem insgesamt gut versorgten Bergisch Gladbach zusammengefasst. Das liegt räumlich deutlich entfernt. Daher haben wir entschieden, hier bei unserer Förderung kleinräumiger als in der Bedarfsplanung vorzugehen“, erläutert Dr. Johannes Martin, Projektleiter des Strukturfonds.

Quereinstieg Allgemeinmedizin

Im Frühjahr 2019 kam ein weiteres wichtiges Förderinstrument hinzu: Gemeinsam mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der KV Westfalen-Lippe, den Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe sowie den nordrhein-westfälischen Krankenkassen wurde ein Programm zur Förderung des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin aus der Taufe gehoben.

Besonders Allgemeininternisten (Fachärztinnen und Fachärzte der Inneren Medizin ohne integrierten Schwerpunkt), die bisher nur im stationären Bereich tätig waren, wird damit ein Unterstützungsangebot unterbreitet, den Weg in die hausärztliche Versorgung zu finden. In einem Qualifizierungsjahr wird ein „Training on the Job“ in kleineren Gemeinden mit bis zu 40.000 Einwohnern mit maximal 9.000 Euro pro Monat unterstützt. Das Geld stammt ebenfalls aus dem Strukturfonds.

22 Quereinsteiger

Auch anderen Facharztgruppen wie Anästhesisten steht der Quereinstieg offen. Sie können ihre Weiterbildungszeit individuell verkürzen, um den Facharzttitel Allgemeinmedizin zu erwerben, und erhalten ebenfalls eine flankierende Förderung der ambulanten Weiterbildungsmonate. Die bisherigen Zahlen sind erfreulich: Bereits nach wenigen Monaten konnte 22 Ärztinnen und Ärzten ein positiver Bescheid zugestellt werden.

Das Land NRW als Programmpartner ist mit dem Zwischenstand sehr zufrieden. Edmund Heller, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, nannte die bisherige Anzahl der Förderungen jüngst „einen großen Erfolg für das Land NRW“ und einen Beweis für die „gute und fruchtbare Zusammenarbeit“ zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und der Landesregierung

Insgesamt wurde seit dem Start des Strukturfonds eine Fördersumme von rund 3,5 Millionen Euro bewilligt. Die Hälfte der Kosten wird entsprechend der gesetzlichen Regelung von den nordrheinischen Krankenkassen getragen. „Die bisherigen Erfahrungen haben uns davon überzeugt, dass die Gelder sinnvoll für die nachhaltige Stärkung investiert werden. Wir konnten ganz unterschiedliche und individuelle Konstellationen an vertragsärztlichen Tätigkeiten unterstützen und freuen uns, damit den heterogener gewordenen Präferenzen des medizinischen Nachwuchses gerecht zu werden“, erklärt KVNO-Chef Bergmann.

Neu: Förderung von Famulaturen

Im Herbst startet die nächste Phase des Struk turfonds. „Wir wollen den Nachwuchs noch früher für die vertragsärztliche Versorgung interessieren und vielleicht auch schon gewinnen können. Am besten gelingt das, wenn dieser schon in einem frühen Stadium seiner Ausbildung den Weg in unsere Praxen findet“, erläutert Carsten König. Daher fördert die KV Nordrhein ab Oktober 2019 Famulaturen von Medizinstudierenden in Praxen mit 400 Euro pro Monat.

Voraussetzung: Die Hausarztpraxis befindet sich in einer Gemeinde mit maximal 40.000 Einwohnern. Auch in mehreren Facharztrichtungen werden Famulaturen gefördert: Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Gynäkologie, HNO, Augenheilkunde, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Kinder- und Jugendmedizin und Dermatologie. Die Praxis muss in einer Gemeinde mit maximal 150.000 Einwohnern angesiedelt sein.

Zunächst wird es ein Förderkontingent von maximal 200 Hausarzt- und 100 Facharztfamulaturen pro Jahr geben. „Nach ihrer Famulatur werden wir die jungen Studierenden auch nochmals zu uns in die KV nach Düsseldorf oder Köln einladen und ein breites Informationsangebot zur vertragsärztlichen Versorgung unterbreiten. Aber natürlich liegt der Fokus dieser Maßnahme auf dem Hineinschauen in die täglichen Abläufe einer Praxis. Deswegen hoffen wir darauf, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen bereit sein werden, Studierende bei sich aufzunehmen“, appelliert König.

Nach einem Jahr Strukturfonds in Nordrhein resümiert Bergmann: „Ein Anfang ist gemacht. Aber wir werden den Strukturfonds auch in Zukunft weiterentwickeln und beispielsweise die Gestaltung weiterer Förderinstrumente prüfen. Denn das Ziel ist klar: Wir wollen langfristig die Versorgung sicherstellen, indem wir Nachfolgerinnen und Nachfolger für unsere ausscheidenden Mitglieder auf ihrem Weg in die KV Nordrhein unterstützen.“

Dr. Johannes Martin

Kontakt
Maike Rettig
ist Ansprechpartnerin für alle aktuellen und zukünftigen Mitglieder bei Fragen zu Förderanträgen.
Dr. Johannes Martin
ist Ansprechpartner für Kommunen und Landkreise bei Fragen zur Förderung der ambulanten Versorgung.
Telefon 0211 5970 8631
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Telefon 0211 5970 8824
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Das Foto zeigt Maike Rettig, KV Nordrhein
Das Foto zeigt Dr. Johannes Martin, KV Nordrhein