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2.800 verbale Angriffe täglich: Gewalt gegen Lebensretter steigt

25.09.2019 KVNO aktuell

Wie geht Gewaltprävention in der Praxis? Wo können Praxen Präventionsmaßnahmen durchführen? Diese und weitere Themen wurden auf der Veranstaltung „Wie begegne ich Gewalt in der Praxis und in der Notaufnahme?“ vorgestellt.

Etwa 45 Ärzte und Psychotherapeuten kamen am 21. August 2019 im Haus der Ärzteschaft zusammen, um am Fortbildungssymposium des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) teilzunehmen. Neben dem Thema „Umgang mit Gewalt von Patienten“ wurden mögliche Präventions- oder Nachsorgemaßnahmen präsentiert. Als Moderator führte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, durch den Abend. „Wenn die angegriffen werden, die helfen wollen, verändert sich etwas in der Gesellschaft – und nicht zum Guten“, so Bergmann.

Die aktuellen Zahlen aus dem Ärztemonitor bestätigen diese Entwicklung. So ergab die Umfrage unter 11.000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, dass 2.800 Befragte täglich Opfer verbaler und 75 Befragte täglich Opfer körperlicher Gewalt sind. Jeder dritte Arzt war in den letzten zwölf Monaten Opfer verbaler Gewalt. Außerdem erlebte jeder vierte Arzt in seiner bisherigen Karriere mindestens einen körperlichen Angriff. Von dieser Vielzahl an Straftaten kommt nur ein Bruchteil – jeder vierte tätliche und jeder 14. verbale Angriff – zur Anzeige.

Das Bild zeigt eine Hand, die eine Blutprobe hält.

Gewalt in Arztpraxen ist kein Randphänomen: Jeder dritte Arzt war in den letzten 12 Monaten Opfer verbaler Gewalt.

Vor-Ort-Check der Polizei

Kriminalhauptkommissar Peter Werkmüller vom Polizeipräsidium Düsseldorf, informierte in seinem Workshop über rechtliche Möglichkeiten Betroffener. Außerdem sprach er mit den Teilnehmern über die Möglichkeit, sich durch kriminalpolizeiliche Beratungsstellen, die in jeder Polizeibehörde ansässig sind, über die sichere Einrichtung informieren zu lassen – auch in den Praxisräumen. So könnten Sicherheitsmängel beseitigt und ein sicherer Arbeitsplatz für Ärzte oder Psychotherapeuten sowie deren Mitarbeiter geschaffen werden.

Dr. med. Vasiliki Böllinghaus-Nikolaou, Referentin im IQN, stellte die australische Broschüre „General practice – a safer place“ vor. Diese Broschüre lässt sich auf hiesige Praxen übertragen und bietet erste Orientierungsmöglichkeiten zur sicheren Einrichtung der Praxis.

Dr. med. Martina Levartz, Geschäftsführerin des IQN, blickt positiv auf die Veranstaltung: „Die Feedbackrunde am Ende war sehr positiv. Wir sind uns der Dringlichkeit und Wichtigkeit dieses Themas bewusst und werden voraussichtlich Nachfolgeveranstaltungen anbieten.“

Florian Möhl