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Erfolgreiche Premiere: Auf „Landpartie“ am Niederrhein

09.05.2019 KVNO aktuell

Um für die Niederlassung auf dem Land zu werben, lud die KV Nordrhein erstmals angestellte und in Weiterbildung tätige Ärzte und Psychotherapeuten zu einem Workshop-Wochenende ein. Die Landpartie führte in den Kreis Kleve, der zu den geförderten Regionen im Rahmen des Strukturfonds zählt.

„Wir arbeiten da, wo andere Urlaub machen“: Christoph Gerwers, Bürgermeister von Rees, rührte bei einer Stadtführung kräftig die Werbetrommel für seine Stadt und den gesamten Kreis Kleve. Dort sind derzeit 20,5 Arztsitze unbesetzt. 327,5 sind es in ganz Nordrhein. Der Grund: Es mangelt an Nachwuchsmedizinern, viele von ihnen zieht es eher in die größeren Städte und ins Angestelltenverhältnis als in die eigene Praxis auf dem Land. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hatte die KV Nordrhein vom 5. bis 7. April rund 30 Ärzte und Psychotherapeuten ins beschauliche Rees eingeladen. Sie trafen dort auf niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die seit Langem vor Ort als Haus- oder Fachärzte tätig sind und Nachfolger suchen.

Das Foto zeigt eine Vortrag während der Veranstaltung.

Landrat Wolfgang Spreen warb persönlich für den Kreis Kleve und stellte attraktive Angebote für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte vor.

In Vorträgen und Workshops, die größtenteils von Beratern der KV Nordrhein gestaltet wurden, beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv mit einer möglichen Niederlassung in der eigenen Praxis. Dr. Johannes Martin, Projektleiter für den Strukturfonds der KV Nordrhein, präsentierte Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung etwa von Hospitationen in Fördergebiets-Praxen. Niederlassungsberater Andreas Bäcker referierte über Wege in die eigene Landarztpraxis, und Abrechnungsexpertin Ulrike Donner führte mit anschaulichen Beispielen durch das Thema Honorar. Wie es sich konkret als Arzt auf dem Land lebt, berichteten die Hausärzte Martin Steiger aus Weeze und Dr. Michael El-Nounou aus Rees.

Das Bild zeigt Teilnehmer der Veranstaltung im Gespräch.

Abgabewillige Ärzte standen in persönlichen Gesprächen für alle Fragen rund um die Praxis-Übernahme zur Verfügung – und gingen mit vielen Visitenkarten nach Hause.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten bei der Landpartie aber auch Gelegenheit, den Kreis Kleve näher kennenzulernen. Landrat Wolfgang Spreen stellte Angebote des Kreises für Ärztinnen und Ärzte vor, die sich für eine Niederlassung im Kreis Kleve interessieren. „Wir haben viel zu bieten – Ärztinnen und Ärzte aber fehlen uns. Wir freuen uns deshalb sehr, dass die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein so viele an einer Niederlassung Interessierte zu uns eingeladen hat, und versuchen selbst, einen Beitrag zur Sicherung der medizinischen Versorgung vor Ort zu leisten“, sagte Spreen. Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers verwies auf die ökonomische Stärke des Kreises, die es erlaube, auch für Familien viel tun zu können.

Ein wichtiger Bestandteil der Landpartie war das Treffen abgabewilliger Ärzte mit den suchenden Kolleginnen und Kollegen im Rahmen einer Praxisbörse. Die Niedergelassenen warben für den Arztberuf auf dem Land und stellten die Vorteile heraus, die sich mit der Übernahme einer etablierten Praxis verbinden. „Mein Nachfolger würde sich ins gemachte Nest setzen und gute Verdienstmöglichkeiten haben“, sagte Meinard Klein-Walbeck, 65-jähriger Hausarzt und Palliativmediziner aus Geldern. Wie er berichteten die meisten der angereisten Praxisinhaber, ihre Praxis in den nächsten drei Jahren abgeben zu wollen.

Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, freute sich sehr über die rege Teilnahme der jungen Nachwuchsmediziner. „Wir haben die Teilnehmer zweieinhalb Tage lang mit allen möglichen Infos rund um die Arbeit als selbstständiger Mediziner oder Therapeut in der eigenen Praxis informiert und mit vielen Vorurteilen aufgeräumt– auch was das Leben in ländlichen Regionen betrifft.“

Auch Dr. med. Carsten König zog eine positive Bilanz der ersten Landpartie: „Wir werden diese erfolgreiche Premiere sicher als Vorlage für weitere vergleichbare Veranstaltungen in weiteren Regionen Nordrheins nutzen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

Thomas Lillig