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Herbsttagung der KBV: Neue Impulse für die Sicherstellung

10.10.2018 Pressemitteilungen

Um den Status Quo und die Zukunft der Sicherstellung der ambulanten Versorgung ging es bei der zweiten Herbsttagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Vertreter des KV-Systems und Gäste aus der Wissenschaft haben heute bei der zweiten Herbsttagung der KBV über zentrale Fragen zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen diskutiert. Der Schwerpunkt lag auf der intersektoralen Versorgung, der integrierten Notfallversorgung und der Bedarfsplanung. So wurden erstmals öffentlich zentrale Aspekte des Gutachtens des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung vorgestellt, zu dem auch der Sachverständigenrat Gesundheit und der GKV-Spitzenverband erste Stellungnahmen abgaben. 

Unter den Referenten der Herbsttagung war auch Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, der in einem Panel zu ausgewählten Projekten, die durch den Innovationsfonds des G-BA gefördert werden, das nordrheinische Modell zur Verbesserung der neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV) vorstellte. „Angesichts der schwierigen Ausgangslage wollen wir schwer erkrankten Patienten mit akutem Behandlungsbedarf durch eine strukturierte Versorgung einen schnelleren Zugang ins System ermöglichen“, sagte Bergmann.

Dabei gehe es vor allem um zeitintensive Erstkontakte, Vernetzung und Koordination der an der Behandlung beteiligten Ärzte und Therapeuten, IT-unterstütztes Management und mehr Kapazitäten, etwa durch Gruppenangebote. Ganz neu sei die Etablierung eines festen Bezugsarztes oder -therapeuten. „Die Patienten müssen sich nicht umstellen, werden aber besser versorgt und sind nach ersten Evaluationen sehr zufrieden mit dem Angebot“, sagte Bergmann. Die KVNO rechnet mit 400 bis 800 teilnehmenden Ärzten und Psychotherapeuten sowie bis zu 14.000 Patienten, die vom Projekt profitieren. Etwa die Hälfte der bisher eingeschriebenen Patienten leidet an Depressionen.

Gutachten und Konzept der KBV zu neuen Gesundheitszentren

Die KBV nutzte die Bühne der Herbsttagung unter anderem zur Vorstellung eines neuen Konzepts und Gutachtens zum Umbau und Erhalt von kleineren Klinikstandorten vor allem in ländlichen Regionen, die zu „Intersektoralen Gesundheitszentren“ (IGZ) werden sollen – ambulante Einrichtungen mit stationären Zusatzangeboten. „Wir wollen die Versorgung vor Ort erhalten und gleichzeitig Kapazitäten besser nutzen“, erklärte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Andreas Gassen. 

Hierfür hat ein Gutachter-Team der Universität Bayreuth das Konzept einer erweiterten ambulanten Versorgung entwickelt und in einem ersten Schritt 75 „idealtypische“ Standorte in Deutschland identifiziert. „Die Zentren sollen auch über Bettenabteilungen verfügen, in denen Patienten bei Bedarf über Nacht bleiben können“, erläuterte Gassen. Hintergrund der Überlegungen sei nicht nur die wirtschaftliche Schieflage in vielen Kliniken, sondern die Tatsache, dass Patienten häufig nur deshalb dorthin geschickt würden, weil es vor Ort kein anderes niederschwelliges Angebot der ärztlichen Überwachung und Pflege gebe. „Das entspricht nicht den heutigen medizinischen Möglichkeiten oder den Wünschen der Patienten“, so Gassen. 

Das IGZ soll eine allgemeinmedizinische, internistische sowie chirurgische Grundversorgung anbieten, die modular erweitert werden kann, etwa durch Angebote wie das ambulante Operieren, weitere Fachgebiete wie HNO, Dermatologie oder Urologie sowie eine angegliederte Portalpraxis. „Damit könnten wir den Patienten eine Alternative zum Krankenhaus bieten und die Lücke zwischen der teuren, medizinisch nicht erforderlichen vollstationären Versorgung und dem ambulanten Pflegedienst schließen“, sagte Dr. med. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Um die IGZ in Deutschland zu etablieren, bedarf es allerdings rechtlicher Anpassungen, zum Beispiel bei Honorierung und Bedarfsplanung: „Wenn bisher stationäre Leistungen künftig in einem IGZ ambulant erbracht werden, müssen auch die Budgets und Arztkapazitäten angepasst werden“, betonte Gassen. „Das Geld muss der Leistung folgen.“

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