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Organspende-Entscheidung

Organspende bleibt in Deutschland weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt, da der Bundestag im Januar 2020 die Widerspruchslösung abgelehnt hat. Vereinbart wurde ein Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft, das 2021 in Kraft treten wird.

Was ändert sich jetzt für Patienten? Zukünftig sollen folgende Regelungen gelten: Wer ab einem Alter von 16 Jahren einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll auf dem Amt auf die Organspende angesprochen werden.

Weiterhin wird Informationsmaterial ausgehändigt und über die Möglichkeit aufgeklärt, sich in ein Online-Register einzutragen. Patienten werden künftig regelmäßig von ihren Hausärzten über die Organspende informiert. Das Grundwissen über die Organspende soll zukünftig auch ein Teil des Erste-Hilfe-Kurses vor einer Führerscheinprüfung werden, um frühestmöglich auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Enttäuschte Reaktionen

Selbsthilfe-Engagierte aus NRW bedauern die Ablehnung der Widerspruchslösung durch den deutschen Bundestag sehr.

Statement Günter Breitenberger

„Über die Entscheidung gegen eine Widerspruchslösung waren wir enttäuscht, traurig und wütend zugleich“, so Günter Breitenberger von der Selbsthilfe Organtransplantierter NRW e. V. „Es werden weiterhin zu viele Menschen auf den Wartelisten sterben, die vergeblich auf ein lebensrettendes Spenderorgan gehofft und gewartet haben, darunter auch viele Kinder.

In der Diskussion um die Widerspruchslösung wurde viel über Ethik, Unversehrtheit des eigenen Körpers, Rechte der Bevölkerung und Zumutbarkeit einer zwingenden Entscheidung gesprochen. Aber haben nicht auch die Menschen auf den Wartelisten ein Recht auf Leben und vor allem ein Recht auf eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende?

Wir sind der Meinung, dass jedem Bundesbürger durchaus zu dem Thema Organspende zwingend eine Entscheidung abzuverlangen ist. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung hätte jedem Bundesbürger die Möglichkeit gegeben, eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen.

Offensichtlich ist aber Deutschland für einen solchen großen Schritt noch nicht bereit. Wir haben deshalb auch keine Hoffnung, dass die Spenderzahlen sich langfristig verbessern werden. Es werden weiterhin in Deutschland immer noch zu viele Menschen auf den Wartelisten mangels Spenderorgane versterben, ganz im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarn, bei denen die Widerspruchslösung seit längerem eingeführt ist.

Laut Statistik sind in Deutschland mindestens 80 Prozent der Bevölkerung der Organspende gegenüber positiv eingestellt, aber nur ca. 36 Prozent besitzen einen Organspendeausweis. Wir als Selbsthilfe Organtransplantierter NRW e. V. werden weiterhin mit aller Kraft daran arbeiten, das Thema nach vorne zu bringen und Aufklärungsarbeit etwa in Schulen, Unternehmen, Vereinen oder Parteien leisten.“