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Fachtagung „Zur Treue gehören immer zwei - Wege zu einer gelungenen Kommunikation“ am 3. April 2019

Gespräche mit Patienten gehören für Ärzte zum Alltag. Das Bedürfnis nach guter Kommunikation und einem angenehmen Gesprächsklima besteht dabei wechselseitig. Doch welche Faktoren unterstützen eine gute, offene Kommunikationskultur?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachtags „Zur Treue gehören immer zwei – Wege zu einer gelungenen Kommunikation“ am 3. April 2019 im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf. Über 200 Ärzte, Psychotherapeuten sowie Patienten- und Selbsthilfevertreter nahmen an der Veranstaltung von KV Nordrhein, Gesundheitsselbsthilfe NRW und KOSKON, einer landesweiten Einrichtung für Selbsthilfeunterstützung, teil. Die Veranstaltung stand im Zeichen von Teilhabe und Inklusion und wurde von Arzt und Fernsehmoderator „Doc Esser“ moderiert.

Das Foto zeigt ein Gruppenfoto der Veranstaltung

Prof. Dr. med. David Klemperer, Internistin Gabriele Schwerdtfeger, Ulf Jacob, Gesundheitsselbsthilfe NRW, Petra Belke, KOSKON, Dr. Volker Runge, Gesundheitsselbsthilfe NRW, Stephanie Theiß, KOSA, Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender KV Nordrhein, Dr. med. Carsten König M. san., stellvertretender Vorstandsvorsitzender KV Nordrhein, Rita Januschewski, Gesundheitsselbsthilfe NRW, „Doc Esser“, Claudia Middendorf, NRW-Patienten- und Behindertenbeauftragte, Dr. med. Roland Tenbrock, André Beermann, Selbsthilfekontaktstelle Kreis Viersen, Dipl.-Psych. Evelyn Rasper

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Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, wies eingangs auf die Bedeutung der Arzt-Patienten-Kommunikation für eine gute Versorgung hin. Ein gelungenes Gespräch erhöhe nachweislich die Therapietreue und damit den Behandlungserfolg der Patienten. Seinen Erfahrungen nach tragen gegenseitige Wertschätzung, zugewandtes Zuhören und eine gemeinsame Lösungsfindung viel zum Heilungserfolg bei. Als Arzt müsse er sich in jedem Fall die Frage stellen: „Was kann ich tun, um den Patienten abzuholen und sein Anliegen zu verstehen?“ Wie man besser nicht miteinander spricht, veranschaulichte Bergmann gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der KV Nordrhein Dr. med. Carsten König in einem szenischen Dialog.

Stephanie Theiß, Leiterin der Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen, Ärzte und Psychotherapeuten der KV Nordrhein, und Ulf Jacob von der Gesundheitsselbsthilfe NRW stellten die Ergebnisse einer Studie zur gemeinschaftlichen Therapieverantwortung vor. Demnach würden nach Einschätzung von Ärzten und Patienten vor allem folgende Punkte die Therapietreue verbessern: mehr bezahlte Zeit für Gespräche, geteilte Verantwortung, der Abbau von Verunsicherung aufgrund von Informationsüberflutung sowie dem Patiententyp angepasste Erklärungen.

Verschiedene Bedarfe

Wie sich die angemessene Dosis Medizin gemeinsam finden lässt, zeigte Prof. Dr. med. David Klemperer von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg in seinem Vortrag. Bei einer Behandlung stünden sich der medizinisch objektive und der persönlich subjektive Bedarf oft gegenüber. Zu einer Lösung, die vom Patienten gut mitgetragen werden kann, lasse sich nur in einem „partizipativen Team-Talk“ kommen. „Das A und O dabei ist, dass Patienten die Gelegenheit erhalten, sich über den Sinn und Nutzen einer Behandlung eine eigene Meinung zu bilden.“

Diese Ansicht wurde in der Diskussionsrunde mehrfach geteilt, etwa von der NRW-Patienten- und Behindertenbeauftragten Claudia Middendorf. Sie setzt sich für Patientenorientierung im Gesundheitswesen ein und wünscht sich, dass Behandlungsprozesse respektvoll in einer „bürgernahen Sprache“ erklärt werden. Rita Januschewski und Dr. Volker Runge von der Gesundheitsselbsthilfe NRW zufolge ist den Patienten das Vertrauensverhältnis am allerwichtigsten. „Patienten, gerade chronisch Kranke, möchten mitreden und mitgestalten und nicht nur passiv erdulden.“ Doch in der Arzt-Patienten-Kommunikation bleibe vieles unausgesprochen. Teilweise hinderten die Angst vor der Diagnose sowie Schuldgefühle Patienten an der notwendigen Offenheit.

In drei Workshops konnten die Ärzte, Psychotherapeuten und Patienten abschließend ihre Sichtweisen und Erfahrungen austauschen. Unter anderem ging es um Chancen und Risiken von „Dr. Google“, um wichtige Voraussetzungen für die kooperative Entscheidungsfindung und um die Vor- und Nachteile des digitalen Kommunizierens. In der Praxis des Orthopäden Dr. med. Roland Tenbrock ist die Tele-Konsultation bereits gang und gäbe. Er empfindet sie bei bestimmten Indikationen als sinnvolle Ergänzung zur konventionellen Behandlung. Sie könne die allgemeine medizinische Versorgung erleichtern – das klassische, persönliche Arzt-Patienten-Gespräch allerdings nicht ersetzen.

Partizipativ entscheiden

Fazit: Es bestand Konsens, dass Arzt und Patienten den Behandlungserfolg am besten durch partnerschaftliche Verständigung und Einbezug des Patienten in die Therapieentscheidungen sichern. Die sogenannte partizipative Entscheidungsfindung wurde als Idealbild einer modernen Medizin herausgestellt. Auch die grundlegende Gesundheitskompetenz der Menschen gilt es zu fördern, um gut informiert und selbstbestimmt relevante Entscheidungen treffen zu können.

Bianca Wolter