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Warum gibt es die definierten Tagesdosen?

Stand: 08/2009

Das System der definierten Tagesdosen, Defined Daily Doses (DDD) hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits 1981 offiziell als Systematik für internationale Arzneimittelverbrauchsstudien empfohlen. Seit 2004 gibt es in Deutschland einen amtlichen anatomischen therapeutischen chemischen (ATC-)Code mit DDD-Festlegungen.

Die definierte Tagesdosis eines Arzneimittels stellt die mittlere tägliche Erhaltungsdosis (nicht Erst- oder Einstellungsdosis) für die Hauptindikation bei einem Erwachsenen mit einem Gewicht von 70 kg dar. Es handelt sich um eine rein rechnerische Größe, die nicht notwendigerweise die empfohlene Dosierung oder die tatsächlich angewendeten Dosierungen eines Arzneimittels wiedergibt.

Mithilfe der DDD können Arzneimitteltherapien miteinander verglichen werden. Auf Basis der DDD ist es zum Beispiel möglich, den durchschnittlichen Dosisverbrauch an Antihypertonika je Versichertem in Sachsen-Anhalt mit Nordrhein zu vergleichen und einen Eindruck von der Behandlungshäufigkeit zu bekommen.

Auch könnte der DDD-Anteil in den jeweiligen Substanzklassen verglichen werden, um etwa zu ermitteln, ob bevorzugt Ca-Antagonisten, Diuretika oder ACE-Hemmer eingesetzt werden. Die DDD sind also eine Rechenhilfe: Die jeweiligen Milligramm eines Wirkstoffes werden in DDD umgerechnet, sodass ein direkter Vergleich unterschiedlicher Therapien und Wirkstoffe möglich wird.

Ähnliche Auswertungen können dazu dienen, das Verordnungsverhalten zu vergleichen oder um eine Orientierung zu geben. So wurde in der Arzneimittelvereinbarung in Nordrhein festgelegt, dass der Anteil der ACE-Hemmer zu den AT1-Antagonisten (inklusive Aliskiren) 80 zu 20 betragen sollte: Mindestens acht von zehn Patienten, die mit Präparaten dieser Wirkstoffgruppe behandelt werden, sollten einen ACE-Hemmer bekommen. Diese Quote orientiert sich an dem Anteil der Patienten, die unter der ACE-Hemmer-Therapie einen Husten entwickeln.

Die ATC/DDD-Systematik wird aktuell von der WHO für Preisvergleiche als ungeeignet eingestuft („… not suitable for guiding decisions about reimbursement, pricing and therapeutic substitution.“). Dennoch verweist das Sozialgesetzbuch auf die DDD, wenn es um Festbeträge oder die „Information der Vertragsärzte“ geht. Mit ihrer Hilfe können die Kosten je definierter Tagesdosis innerhalb einer Arzneimittel- oder Indikationsgruppe oder die Arzneimittelkosten gruppenübergreifend verglichen werden.

Die DDD sind ein wichtiges Instrument der Arzneimittelversorgungsforschung. Doch die DDD-Systematik stößt an Grenzen, wenn beispielsweise die DDD nicht den tatsächlichen therapeutischen Tagesdosen entspricht oder wenn zu einer amtlichen DDD keine passenden Dosierungen im Handel sind. So beträgt die DDD für Simvastatin 15 mg, die gängigen Dosierungen und Packungen sind jedoch 20 oder 40 mg. Hier können die DDD nur zur Berechnung von durchschnittlichen Kosten herangezogen werden.



DDD bei Kombinationspräparaten

Für Kombinationspräparate wird keine definierte Tagesdosis auf mg-Basis berechnet, sondern bei einmal täglicher Gabe einer Dosis (zum Beispiel Tablette) eine DDD zugeordnet. Eine Packung mit 30 Enalapril/HCT 10/25 entspricht demnach 30 DDD.