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Beim Teilen von Tabletten in Heimen lauern Fallstricke

Stand: 05/2010

Für die tägliche Gabe von Arzneimitteln in Heimen werden Tabletten häufig verblistert und beispielsweise in patientenindividuelle Tütchen mit Tagesdosen verpackt. Diese können dann von den Heimmitarbeitern ausgegeben („gestellt“) werden.

Mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes dürfen für diese Blister die Tabletten nicht mehr geteilt werden. Ausnahme: Die Apotheken machen die Blister selbst und lassen sie nicht von einem Dienstleister verblistern. Einzelne Ärzte setzen sich über diese Regelung hinweg und geben jetzt vor, dass die Heime die geteilten Tabletten wieder selbst stellen und auf das Blistern verzichten. Eine generelle Teilung von Tabletten allein aus wirtschaftlichen Gründen kann jedoch nicht empfohlen werden.

Wenn Tabletten in einer geforderten Stärke nicht verfügbar sind, können diese gegebenenfalls geteilt werden, was besonders zum Ein- und Ausschleichen einer Therapie nützlich sein kann. Bruchkerben oder -rillen ermöglichen das genaue Halbieren oder Vierteln von Tabletten. Wenn keine Bruchkerben vorhanden sind, kann das Teilen jedoch zu ungenauen Dosierungen oder zum Zerbröseln der Tablette führen.

Bestimmte Tabletten, beispielsweise mit einem magensaft-resistenten Überzug, dürfen nicht geteilt werden. Ferner sollten Tablettenhälften, beispielsweise in Heimen, nicht über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden. Wenn eine Tablette geteilt wird, sollte die verbleibende Tablettenhälfte aus Stabilitätsgründen zum nächsten Einnahmezeitpunkt eingenommen werden. Einen Joghurt, der ohne Deckel zwei Tage im Kühlschrank steht, würde man ja auch nicht mehr verzehren.

In Heimen wird jedoch häufig für mehrere Tage oder eine Woche gestellt. Tablettenhälften bleiben dann über längere Zeit im Dispenser oder in separaten Dosen liegen, sodass sie nicht mehr zu identifizieren sind. Bei solch unsachgemäßer Lagerung erlischt die Gewährleistung des Herstellers. Einige Heime gehen daher dazu über, Tablettenhälften, die nicht direkt gestellt werden, zu verwerfen.

Ansprechpartner zu den Arzneimittelinformationen

Bei Tabletten, die für eine Teilung nicht geeignet sind und zerbröseln, kann es neben der ungenauen Dosierung zu einer „Cross contamination“ beispielsweise über Tablettenteiler kommen. Stark wirksame Arzneimittel sollten nicht geteilt werden, um das Personal nicht unnötig zu belasten.

Teilverbot

Tabletten sollten in folgenden Fällen nicht geteilt werden:

  • wenn die Fach- oder Gebrauchsinformation sie ausdrücklich als nicht teilbar bezeichnet
  • wenn nach der Teilung die Magensaftresistenz nicht mehr gegeben ist
  • bei einem Überzug zur verzögerten Wirkstofffreisetzung (andere Retardformulierungen, zum Beispiel Pellets können unter Umständen geteilt werden)
  • bei Mantel- oder Zweischichttabletten
  • bei speziellen Formulierungen, wie OROS-System
  • bei sehr niedrig dosiertem Wirkstoff (µg-Bereich)
  • bei sehr kleinen Tabletten (< 50mg)
  • Quelle: AMK der Apothekerschaft, 2004