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Rabattverträge haben bei aut idem Vorfahrt

Stand: 05/2008

Wenn kein Kreuz gesetzt ist, haben Rabattverträge grundsätzlich Vorfahrt. Der Apotheker tauscht dann das namentlich verordnete Arzneimittel aus gegen ein rabattiertes Präparat. Auch bei der Wirkstoffverordnung gehen Rabattverträge grundsätzlich vor. In Ausnahmefällen kann der Apotheker von dieser Regel jedoch abweichen.

Der Apotheker bedient einen Rabattvertrag, wenn dieser zwischen Kasse und Herstellerfirma vereinbart wurde, in der Apothekensoftware umgesetzt ist und das Arzneimittel lieferfähig ist. Liegt kein Rabattvertrag vor, gilt die bisherige Aut-idem-Regelung: Der Apotheker gibt bei namentlicher Verordnung das verordnete Arzneimittel oder eins der drei preisgünstigsten ab, bei Wirkstoffverordnung eins der drei preisgünstigsten.

Nach dem neuen Rahmenvertrag können

alle wirkstoffgleichen Generika
mit identischer Wirkstärke
gleicher Packungsgröße
gleicher oder austauschbarer Darreichungsform und
gleichem Indikationsbereich (im Falle von aut idem)

ausgetauscht werden. Der Apotheker beachtet die Angaben im ABDA-Artikelstamm in der Apothekensoftware. Die Substitution des namentlich verordneten Arzneimittels durch ein Arzneimittel mit einer anderen Darreichungsform ist nach wie vor nur zulässig, wenn und soweit dies in der Anlage 5 der Arzneimittelrichtlinien vorgesehen ist.  Rabattverträge müssen grundsätzlich auch bei Betäubungsmitteln (BTM) beachtet werden. Die Regelungen nach der BTM-Verschreibungsverordnung haben jedoch Vorrang.

Der neue Rahmenvertrag sieht Ausnahmen vor, bei denen Rabattverträge nicht bedient werden müssen:

Das Rabattarzneimittel ist in der Apotheke aktuell nicht verfügbar und ein dringender Fall macht die Abgabe unverzüglich erforderlich, zum Beispiel im Notdienst und bei Akutversorgung.
Der Apotheker hat in konkreten Einzelfällen pharmazeutische Bedenken, wenn durch den Austausch trotz eines Beratungsgespräches der Therapieerfolg oder die Arzneimittelsicherheit gefährdet sind.

Der zweite Punkt bietet Interpretationsspielraum. Pharmazeutische Bedenken liegen beispielsweise vor, wenn eine Tablette geteilt werden soll und der Rabattvertrag Kapseln umfasst. Bedenken können auch dann bestehen, wenn ein Dosieraerosol verordnet wurde, der Rabattvertrag aber einen Pulverinhalator vorsieht und dem Patienten im Beratungsgespräch der richtige Umgang mit dem Inhalator nicht vermittelt werden kann.

Pharmazeutische Bedenken beziehen sich immer auf einen konkreten Einzelfall. Aus Sicht der Apotheker wird durch den Rahmenvertrag die Kompetenz des Heilberuflers gestärkt. Die neuen Regelungen sind ein wichtiger Beitrag für den individuellen Therapieerfolg und die Arzneimittelsicherheit. Wird der Rabattvertrag wegen pharmazeutischer Bedenken nicht bedient, kennzeichnet der Apotheker den Fall mit einer Sondernummer auf dem Rezept und vermerkt auf diesem stichwortartig den Ausnahmefall.

Ansprechpartner zu den Arzneimittelinformationen

Die Abgabe von Fertigarzneimitteln, für die ein Rabattvertrag besteht und bei aut idem, wird auf Bundesebene durch den Rahmenvertrag zur Arzneimittelversorgung zwischen dem Deutschen Apothekerverband und den Spitzenverbänden der Krankenkassen geregelt. Auf Landesebene wurden die entsprechenden Regelungen des Rahmenvertrages inhaltsgleich im Arzneilieferungsvertrag zwischen dem Landesapothekerverband und den Primärkassen umgesetzt. Zum ersten April wurden die Bestimmungen konkretisiert, da die bisherigen Bestimmungen von Apothekern und Krankenkassen teilweise unterschiedlich ausgelegt wurden.



Aut-idem-Kreuz weglassen

Die KV Nordrhein empfiehlt, die Wirkstoffverordnung oder die Verordnung eines preiswerten Generikums und den Austausch zuzulassen. Auf das Kreuz sollten Ärztinnen und Ärzte also verzichten. Wenn Tabletten geteilt werden müssen, sollte dies auf dem Rezept vermerkt werden, zum Beispiel D.S. 3 x ½.