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PPI verursachen die Symptome, für deren Behandlung sie eingesetzt werden

Stand: 10/2009

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden zur Behandlung ihrer eigenen Nebenwirkung eingesetzt. Das ist das Fazit  der aktuellen Studie von Reimer et al. Die Autoren zeigten, dass PPIs schon nach achtwöchiger Einnahme über das sogenannte Rebound-Phänomen gastrointestinale Symptome verursachen, die zu ihrer weiteren Einnahme verleiten.

Das Rebound-Phänomen

Die Grafik zeigt das Rebound-Phänomen nach Absetzen der PPI.

Rebound-Phänomen nach Absetzen der PPI. Eine Verminderung der Magensäure führt zu erhöhten Gastrinspiegeln und nachfolgend zu einer erhöhten Histaminausschüttung aus enterochromaffinen Zellen. Höhere Histaminspiegel führen zu vermehrter Säurebildung.

In die dänische Studie wurden 120 gesunde, therapienaive Probanden aufgenommen. Die eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt 40 mg Esomeprazol täglich, die andere Hälfte nahm Placebo. Nach acht Wochen wurden alle Probanden mit Placebo weiter behandelt und vier weitere Wochen beobachtet.

Gastrointestinale Symptome erfassten die Ärzte wöchentlich mit dem international anerkannten GSRS-Fragebogen (gastrointestinal symptom rating scale). Ferner wurde der Gastrin-Spiegel zu Beginn der Studie und alle vier Wochen überwacht.

Placebo versus PPI

Die Grafik zeigt den Anteil der Probanden mit Sodbrennen und Reflux oder Dyspepsie. (Quelle: Reimer et al., 2009)
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Anteil der Probanden mit Sodbrennen und Reflux oder Dyspepsie. Probanden erhielten über acht Wochen 40 mg Esomeprazol täglich und dann vier Wochen Placebo oder nur Placebo.

Während der Anteil der Probanden mit gastrointestinalen, säurebezogenen Symptomen in beiden Gruppen in den ersten acht Wochen gleich war, stieg er nach Absetzen des PPIs in der Verumgruppe an und unterschied sich in den Wochen zehn bis zwölf signifikant von der Placebogruppe.

Diese aktuelle Studie ist eine Bestätigung früherer Beobachtungen, dass PPI über ein Rebound-Phänomen säure-assoziierte Symptome auslösen können. Die Anhebung des Magen-pH mündet in einer höheren Gastrin-Konzentrationen. Das Hormon führt über eine Stimulation von Cholezystokininrezeptoren (CCK-2R) an enterochromaffinen Zellen zu vermehrter Histaminausschüttung und Säuresekretion. Ferner kann Gastrin das Wachstum enterochromaffiner und Parietal-Zellen anregen. Tatsächlich bestätigt die Studie einen signifikant höheren P-Gastrinspiegel in der Verumgruppe ab vier Wochen.

Die ausgeprägte Hemmung der Magensäureproduktion könnte auch dazu führen, dass andere Schutzmechanismen abgeschaltet werden oder die Wahrnehmung von Säure in der Speiseröhre verändert wird.

Kenneth McColl und Derek Gillen heben hervor, dass PPI häufig außerhalb ihrer zugelassenen Indikation eingesetzt werden, ohne dass tatsächlich säure-abhängige Symptome vorliegen. Sie weisen darauf hin, dass PPI keine kausale Therapie der gastroösophagalen Refluxkrankheit GERD sind und stellen daher vier Forderungen auf:

1. Die PPI-Therapie sollte auf Patienten mit endoskopisch gesicherter Diagnose oder auf solche mit eindeutig säureabhängiger Symptomatik beschränkt bleiben. Bei dyspeptischen Beschwerden gibt es kein einheitliches Behandlungsschema. (Rezeptpflichtige PPI sind für diese Indikation nicht zugelassen.)
2.   Der Einsatz von PPI als diagnostischer Test für säureabhängige Symptome sollte auf einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen beschränkt bleiben. (Hier eignen sich die nicht rezeptpflichtigen Präparate.)
3.   Die PPI-Therapie sollte ausgeschlichen werden, und es muss vermehrt auf den Lebensstil (Rauchen, Alkohol, fettes Essen) geachtet werden. H2-Antagonisten wie beispielsweise Ranitidin können ebenfalls einen Rebound hervorrufen.
4.   Ärzte müssen Patienten über die Sicherheit und Nebenwirkungen der PPI-Therapie und das Rebound-Phänomen aufgeklären.

Quellen: Reimer C et al., Proton-pump inhibitor therapy induces acid-related symptoms in healthy volunteers after withdrawal of therapy. Gastroenterology 2009; 137: 80-87.
McColl K, Gillen D, Evidence that proton-pump inhibitor therapy induces the symptoms it is used to treat. Gastroenterology 2009; 137: 20-22.

PPI in der Selbstmedikation

Omeprazol und Pantoprazol stehen seit August als nicht rezeptpflichtige Präparate zur Verfügung. Die 20-mg-Tabletten (Packungen mit 7 oder 14 Stück) sind zugelassen zur kurzzeitigen Behandlung von Refluxsymptomen wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen bei Erwachsenen.

Bei dieser Indikation sollten Sie die Tabletten auf einem grünen Rezept verordnen. Der Patient muss die Kosten von knapp fünf bis 14 Euro selbst tragen. Zur Therapie und Prophylaxe eines Ulcus und zur Langzeitanwendung verordnen Sie bitte weiterhin die rezeptpflichtigen Präparate auf einem Kassenrezept.