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Wirkstoffkatalog wird Quoten ersetzen

Die Verhandlungen zur Arznei- und Heilmittelvereinbarung 2017 dauern auch über den Jahreswechsel an. Die Krankenkassen und die KV in Nordrhein sind sich einig, den Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu übernehmen, um die Arzneiverordnungen zu steuern.

Dessen Vorgaben sollen bei den Allgemeinmedizinern und den hausärztlichen Internisten künftig die bisherigen DDD-Quoten ersetzen. Die Wirkstoff-Einteilungen des Medikationskatalogs sind bereits seit Beginn des Jahres 2017 in der Verordnungssoftware der Praxen abgebildet, haben aber für die Praxen in Nordrhein derzeit keine Relevanz, da noch kein Vertrag geschlossen wurde.

Der KBV-Medikationskatalog bewertet in 22 verordnungsrelevanten Indikationen die zu­gelassenen Wirkstoffe und teilt diese in die Kategorien „Standard“, „Reserve“ und „nachrangig zu verordnen“ ein. Die Liste ist somit eine Entscheidungshilfe, welche Wirkstoffe in der jeweiligen Indikation bevorzugt verordnet werden sollten. Die freie Therapieentscheidung bleibt unberührt.

Der KBV-Medikationskatalog gibt Verordnungsempfehlungen zu 22 Indikationen in 14 Indikationsgruppen:

  • Alzheimer-Demenz
  • Antibiotikatherapie bei Infektionen der unteren Atemwege
  • Antibiotikatherapie bei Infektionen der oberen Atemwege
  • Antibiotikatherapie bei Harnwegsinfektionen
  • Asthma bronchiale
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Depression
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Fettstoffwechselstörung
  • Herzinsuffizienz
  • Hypertonie
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Vorhofflimmern
  • Osteoporose
Die Grafik zeigt als Beispiel den Entscheidungsbaum zur Einteilung der Wirkstoffe in der Indikation COPD.
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Entscheidungsbaum COPD

Die Grafik zeigt als Beispiel den Entscheidungsbaum zur Einteilung der Wirkstoffe in der Indikation COPD.

Die KBV bedient sich bei der Bewertung der Wirkstoffe in den jeweiligen Indikationen externer Unterstützung. Für die evidenzbasierte Einstufung werden Leitlinien, Cochrane Reviews, Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Berichte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Ergebnisse der Frühen Nutzenbewertung sowie weitere Quellen berücksichtigt (siehe Abbildung). Die KBV überarbeitet den Medikationskatalog regelmäßig; er gilt jeweils für ein Jahr.

In Nordrhein soll der KBV-Medikationskatalog die bisherigen DDD-Quoten beispielsweise für die Lipidsenker, Antidiabetika oder Wirkstoffe des Renin-Angiotensin-Systems bei den Allgemeinmedizinern und den hausärztlichen Internisten ersetzen. Die Quoten in den einzelnen Indikationen des Medikationskatalogs werden miteinander verrechnet, sodass nur eine Durchschnittsquote entsteht.

Feedbackberichte und Praxissoftware

Geplant ist, dass die Praxen in Nordrhein pro Quartal einen Feedbackbericht erhalten. Die ersten Berichte auf der Basis der Verordnungsdaten der ersten drei Quartale  2016 stehen im KVNO-Portal nach Abschluss der Verhandlungen zur Verfügung. Praxen können mithilfe der Berichte auf einen Blick erkennen, ob sie die Quote einhalten und in welchen Indikationsgruppen am ehe­sten gesteuert werden kann. Weitere Infor­mationen zu den einzelnen Indikationen im KBV-Medikationskatalog werden ebenfalls im KVNO-Portal zur Verfügung gestellt werden.

Zusätzliche Information bietet die Paxissoftware. Schon bei der Verordnung zeigt sie in den 14 Indikationsgruppen an, wie ein Präparat eingruppiert ist. Die KBV hat den Softwareanbietern die Informationen bereits für das Update zum ersten Quartal 2017 zur Verfügung gestellt.

Dr. Holger Neye