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Medikationsplan: Anspruch ab drei Arzneien

Stand: 10/2016

Gesetzlich Versicherte haben ab 1. Oktober 2016 einen Anspruch auf einen Medikationsplan, wenn sie drei oder mehr Medikamente gleichzeitig anwenden. Den Plan gibt es zunächst nur auf Papier.

Der Medikationsplan soll eine Übersicht über die verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Arzneimittel (Grünes Rezept) eines Patienten enthalten. Die Praxen sollen unter anderem Wirkstoff, Dosierung, Einnahmegrund und sonstige Hinweise zur Einnahme aufführen (wir berichteten). Die Hinweise soll die Praxissoftware automatisch liefern. Die Inhalte des Medikationsplans haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und der Deutsche Apothekerverband festgelegt.

Die Ausgabe eines Medikationsplans ist ab 1. Oktober 2016 Pflicht, das schreibt das E-Health-Gesetz vor. Vor allem die Hausarztpraxen dürften die Pläne erstmalig erstellen. Die Aktualisierung soll sich dann auf mehr Schultern verteilen, auch Apotheken und Krankenhäuser sind dazu aufgerufen.

Die Grafik zeigt den Medikationsplan

In einem Medikationsplan können Patienten auf einen Blick sehen, welche Arzneimittel sie wann einnehmen sollen. Dies sorgt für mehr Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme – bedeutet aber für die Praxen mehr Aufwand.(Foto: © obsCareIO GmbH)

Bis 31. März 2017 können Ärzte die bisherigen Medikationspläne aus der Praxissoftware einsetzen, ab April kommenden Jahres muss diese die vereinbarten Standards erfüllen. Auf dem dann einzusetzenden Medikationsplan ist ein Barcode aufgedruckt. Er enthält die Informationen des Plans in digitaler Form und ermöglicht, dass dieser unabhängig von der jeweiligen Praxis- oder Apothekensoftware per Scanner eingelesen und aktualisiert werden kann. Auf diesem Weg ist eine unkompliziertere Aktualisierung möglich. Dazu sind Ärzte immer dann verpflichtet, wenn sie die Medikation ändern oder davon erfahren.

Verhandlung über Vergütung

Mit den Medikationsplänen kommt ein zusätz­licher Aufwand auf die Praxen zu. Die KBV fordert eine angemessene Vergütung – und verhandelt diese zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Ausgabe mit den Krankenkassen. "Die Höhe der Vergütung ist noch offen", berichtet die stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dipl.-Med. Regina Feldmann. Sollten sich KBV und GKV-Spitzenverband nicht einigen, müsste das Bundeschiedsamt entscheiden.

Ärzte und Apotheker haben die gesetzliche Vorgabe heftig kritisiert, zum Beispiel wegen der Haftung. Denn der behandelnde Arzt muss sich vielfach auf Angaben der Patienten verlassen – wenn sich der Patient an Arzneien nicht erinnert oder die Einnahme verschweigt, dann sind die Daten auf dem Medikationsplan lückenhaft. Kurios erscheint auch, dass das E-Health-Gesetz den Medikationsplan auf Papier vorschreibt. Immerhin: Ab 2018 soll es eine digitale Version geben, die auf der eGesundheitskarte gespeichert werden soll.

Frank Naundorf