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Arzneimittel-Austausch: Was geht – was nicht

Es gibt verschiedene Fälle, in denen Apotheker Medikamente austauschen dürfen, ohne eine Retaxation fürchten zu müssen:

Pharmazeutische Bedenken: Apotheker können von der Substitution bzw. der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel absehen, wenn im Einzelfall aus Sicht des Apothekers pharmazeutische Bedenken entgegenstehen. Pharmazeutische Bedenken liegen vor, wenn durch den Präparateaustausch trotz zusätzlicher Beratung des Patienten der Therapieerfolg oder die Arzneimittelsicherheit gefährdet sind. Beispiel: Verordnet sind Inhalationskapseln, ein Rabattvertrag sieht jedoch die Abgabe eines Dosieraerosols vor. Die Abgabe des verordneten Arzneimittels – statt eines rabattierten – muss durch den Apotheker mit einer Sonder-Pharmazentralnummer (PZN) auf dem Rezept vermerkt werden.

Fast immer gibt die Apotheke ab, was der Arzt verordnet. Doch wenn zum Beispiel die Arzneimittelsicherheit gefährdet ist, darf eine Apothekerin ein verordnetes Präparat austauschen. Foto: KVNO

Nichtlieferfähigkeit: Ist die Abgabe eines rabattbegünstigten Arzneimittels aufgrund von Nichtlieferfähigkeit nicht möglich, kann der Apotheker ein lieferbares Präparat abgeben. Dies wird ebenfalls mit einer Sonder-PZN auf dem Rezept gekennzeichnet.

Aut-idem bei Reimporten: Bei der Abgabe von Arzneimitteln in der Apotheke können Originalpräparate und Reimporte grundsätzlich gegeneinander getauscht werden. Sie gelten als gleich. Das gilt zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • Verordnung eines (patentgeschützten) Originalpräparates: Apotheken geben das Original ab, wenn ein Rabattvertrag besteht, sonst einen Reimport – auch wenn das Aut-idem-Kreuz gesetzt wurde.
  • gezielte Verordnung eines Reimportes: Apotheken können andere Reimporte oder das entsprechende Originalpräparat ab­geben, wenn die Krankenkasse einen Rabattvertrag geschlossen hat. Auch hier verhindert das Aut-idem-Kreuz den Austausch nicht.
  • Importquote: Wenn kein Rabattvertrag geschlossen wurde, werden vorrangig wirtschaftliche Reimporte abgegeben, denn Apotheken müssen eine so genannte Importquote erreichen und einen bestimmten Anteil des Umsatzes mit Reimporten bedienen.

Achtung: Bei Versicherten der Ersatzkassen können Ärzte durch Setzen des Aut-idem-Kreuzes und den zusätzlichen Vermerk „aus medizinisch-therapeutischen Gründen kein Austausch gewünscht“ den Tausch von Reimporten in der Apotheke vermeiden. Bei den Primärkassen wurde zwischen dem Apothekerverband und den Krankenkassen keine entsprechende Regelung vereinbart.

Substitutionsausschlussliste und Aut-idem: Bei Präparaten der so genannten Substitutionsausschlussliste darf der Apotheker nicht austauschen – auch nicht, wenn kein Aut-idem-Kreuz gesetzt ist und/oder ein Rabattvertrag besteht. Auch bei pharmazeutischen Bedenken darf die Apotheke in diesem Fall nicht eigenmächtig substituieren.

HON