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Chinin (Limptar N) bei Wadenkrämpfen verschreibungspflichtig

Chininhaltige Arzneimittel sind seit 1. April vollständig der Verschreibungspflicht unterstellt worden. Neben Chinin-Präparaten zur Behandlung der Malaria kann somit auch Limptar N bei nächtlichen Wadenkrämpfen nur noch auf ärztliche Verordnung in der Apotheke abgegeben werden.

Ein erhöhtes Missbrauchspotenzial und mögliche schwere Nebenwirkungen führten zu der Entscheidung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Ein Verordnungsausschluss für Limptar N aufgrund der Arzneimittel-Richtlinie besteht nicht, so dass Limptar N auf einem Kassenrezept verordnet werden kann.

Chininsulfat ist in Limptar N zugelassen zur Prophylaxe und Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe. Die Anwendung soll beschränkt werden auf Wadenkrämpfe, die sehr häufig oder besonders schmerzhaft sind, auf Wadenkrämpfe, bei denen behandelbare Ursachen ausgeschlossen wurden, und auf Wadenkrämpfe, bei denen nichtpharmakologische Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend lindern konnten. So lautet der Bescheid des Stufenplanverfahrens.

In einem Übersichtsartikel des Arzneimittelbriefs (2013, 47, 89) zur Therapie von Muskelkrämpfen in den Beinen wird als nichtpharmakologische Maßnahme zunächst empfohlen:

  • alles abzustellen, was die Erregbarkeit der Muskulatur erhöht (zum Beispiel Alkoholkonsum)
  • ungewohnte körperliche Anstrengungen zu vermeiden
  • auf eine ausreichende Trinkmenge und Elektrolytzufuhr zu achten
  • Grunderkrankungen und Mangelzustände zu behandeln
  • Arzneimittel, die die Krampfbereitschaft erhöhen, ggf. zu pausieren
  • abendliche Dehnübungen durchzuführen
  • eine Plantarflexion in den Sprunggelenken im Schlaf (Schlafen auf dem Bauch) zu vermeiden.

Wegen kardialer Nebenwirkungen werden in der Fachinformation zahlreiche Kontraindikationen genannt. Chinin kann in Einzelfällen zu schweren Blutbildveränderungen wie Thrombozytopenien führen. Die Behandlung sollte alle drei Monate unterbrochen werden, um die Notwendigkeit für eine weitere Behandlung zu überprüfen.

In Australien und Neuseeland ist Chininsulfat daher zur Prophylaxe und Therapie von Wadenkrämpfen nicht mehr zugelassen. In den USA wird bei Qualaquin, das zur Behandlung der Malaria zugelassen ist, wegen eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses vor der Anwendung bei spontanen Beinkrämpfen gewarnt.

HON