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Verordnungen von Vitamin D auf Kassenrezept

Wann zahlt die Kasse, wann nicht? Zur Verordnung von Vitamin D erreichen die KV Nordrhein viele Fragen. Unterschiedliche Angaben bei Grenzwerten oder die Wahl zwischen rezeptpflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Präparaten tragen zur Verunsicherung bei.

Die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels (25-OH-Vitamin-D3) ist bei medizinischer Notwendigkeit zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) möglich. Die "medizinische Notwendigkeit" wird im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aber nicht definiert. Klinisch manifest ist ein Vitamin-D-Mangel beispielsweise bei Rachitis oder Osteomalazie.

Nicht verschreibungspflichtige Vitamin-D-Präparate bis zu einer Tagesdosis von 1.000 I.E. Vitamin D3, in Kombination mit Calcium oder als Monopräparat, können nach den Bestimmungen der Arzneimittel-Richtlinie nur auf einem Kassenrezept verordnet werden für

  • Patienten mit manifester Osteoporose (mit Frakturen ohne adäquates Trauma)
  • Patienten, die über ein halbes Jahr 7,5 mg Prednisolonäquivalent einnehmen müssen
  • Patienten, die eine Bisphosphonattherapie er- halten, gemäß Angabe in der jeweiligen Fach- information bei zwingender Notwendigkeit.

Sollte die Umwandlung des Vitamin D3 (Cholecalciferol) durch eine Erkrankung beispielsweise der Niere verhindert sein, so können die anderen Vitamin-D-Derivate substituiert werden. Die relevanten Arzneimittel (Wirkstoffe: Calcidiol/Synthese in der Leber, Calcitriol/ Synthese in der Niere und 1-OH-Vitamin D = Alfacalcidol) sind verschreibungspflichtig und zu Lasten der GKV verordnungsfähig.

Vitamin D für Säuglinge

Für Säuglinge wird eine Verordnung von Vitamin D (10 µg=400 I.E.), gegebenenfalls in Kombination mit Fluorid zur Rachitisprophylaxe im ersten Lebensjahr ("bis zum zweiten Sommer") empfohlen. Die Präparate können zu Lasten der GKV verordnet werden.

Verschreibungspflichtige hoch dosierte Vitamin-D-Präparate (> 1.000 I.E.) können zu Lasten der GKV zur Behandlung verordnet werden. Sie sind jedoch nur zugelassen beispielsweise zur einmaligen Anwendung bei Vitamin-D-Mangelzuständen (zum Beispiel Dekristol 20.000).

Nach Auskunft des Herstellers manifestiert sich der Vitamin-D-Mangel durch Störungen im Calciumphosphat- und Knochenstoffwechsel. Die Diagnose sollte daher nicht allein auf dem Vitamin-D-Spiegel beruhen, sondern beispielsweise durch die Bestimmung des Parathormons und/oder der alkalischen Phosphatase gestützt werden.

Zur Einleitung der Behandlung von klinisch manifesten Vitamin-D-Mangelzuständen können nach ärztlicher Anweisung zum Beispiel 5 mg oder 200.000 I.E. Vitamin D3 gegeben werden. Eine eventuell notwendige weitere Behandlung mit dem Arzneimittel muss individuell vom Arzt festgelegt werden. Zur Dauerbehandlung der Rachitis und Osteomalazie und von Hypoparathyreoidismus bei Erwachsenen sind auch Vigantol-Öl-Tropfen verschreibungspflichtig zugelassen.

Keine Prophylaxe

Zur Prophylaxe eines Vitamin-D-Mangels besteht keine Leistungspflicht. Nach der Arzneimittel-Richtlinie sollen nichtverschreibungspflichtige Arzneien zu Lasten des Versicherten verordnet werden, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. Dies bedeutet, wenn ein (vermeintlicher) Vitamin-D-Mangel mit frei verkäuflichen anstelle verschreibungspflichtiger Präparate zu behandeln ist, müssen die Patienten die Präparate selbst kaufen. Ausnahmen gemäß Richtlinie siehe oben.

HON