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Aut-idem-Austausch in der Apotheke eingeschränkt

Schluss mit der grenzenlosen Substitution. Eine neue Liste in der Arzneimittel-Richtlinie regelt, welche Wirkstoffe und Darreichungsformen in der Apotheke nicht mehr im Rahmen von aut idem ausgetauscht werden dürfen. Der Ausschluss gilt auch dann, wenn der Arzt den Austausch nicht ausgeschlossen hat, also kein Kreuz gesetzt hat.

Die sogenannte Substitutions-Ausschlussliste des Gemeinsamen Bundesausschuss umfasst zunächst acht Wirkstoffe, soll aber noch wachsen. Verordnete Handelspräparate mit Wirkstoffen und Darreichungsformen dieser Liste dürfen Apotheken nicht austauschen – auch nicht im Notdienst oder am Wochenende. Die Präparate hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Anlage VII der Arzneimittel-Richtlinie gelistet. Die erste Tranche umfasst Herzglykoside, Levothyroxin, Phenytoin und zwei Immunsuppressiva. Die Liste tritt in Kraft, wenn das Bundesgesundheitsministerium innerhalb von zwei Monaten keinen Einspruch erhebt.

Hinweis: Apotheken dürfen die Rezepte nur beliefern, wenn die Verordnung eindeutig ist. Eine reine Wirkstoffverordnung stellt in diesem Zusammenhang eine „unklare Verordnung“ dar, die von der Apotheke nicht beliefert werden kann. Wenn das verordnete Arzneimittel nicht verfügbar ist, kann die Apotheke nur nach einer Änderung des Rezeptes ein vorrätiges Präparat abgeben. Hingegen dürfen Originale und deren Reimporte gegeneinander in der Apotheke getauscht werden. Gegebenenfalls fragen Sie Ihre Patienten bei einer Folgeverordnung, welches Handelspräparat bisher abgegeben wurde.

Die Substitutions-Ausschlussliste (Tabelle)

Wirkstoff Darreichungsformen
Betaacetyldigoxin Tabletten
Ciclosporin Lösung zum Einnehmen
Ciclosporin Weichkapseln
Digitoxin Tabletten
Digoxin Tabletten
L-Thyroxin-Na Tabletten
L-Thyroxin-Na plus Kaliumiodid Tabletten
Phenytoin Tabletten
Tacrolimus Hartkapseln

Stand: 18. September 2014

Wirkstoffe nimmt der G-BA in die Liste auf, wenn sie eine enge therapeutische Breite haben und beim Austausch in der Apotheke eine klinische Beeinträchtigung droht, die nicht patientenindividuell begründet ist. Auch wenn in der Fachinformation ein Drug-Monitoring oder eine Therapiekontrolle vorgesehen ist, ist der Wirkstoff für die Substitutions-Ausschlussliste prädestiniert.

Der G-BA hat das Erstellen der Liste übernommen, nachdem sich der GKV-Spitzenverband und der Apothekerverband zuvor auf keine Liste verständigen konnten. Für die erste Tranche wurden auch die Wirkstoffe Mycophenolsäure, Methotrexat, Ropinirol, Mesalazin und Budesonid zur gastrointestinalen Anwendung diskutiert. Für diese Wirkstoffe sah der G-BA keine Notwendigkeit, den Austausch in der Apotheke grundsätzlich auszuschließen.

HON