Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Dermatologische Rezepturen – bitte beachten

Bevor ein Apotheker individuelle Rezepturen herstellt, muss er eine Plausibilitätsprüfung durchführen. Kontrollieren muss er die Dosierungen, die Applikationsart, die Art, Menge und Kompatibilität der Ausgangsstoffe untereinander und deren gleichbleibende Qualität im Haltbarkeitszeitraum. Dies resultiert aus einer Änderung der Apothekenbetriebsordnung in 2012 (wir berichteten).

Zur einfachen und unkomplizierten Belieferung der Rezepturen empfehlen wir:

  • Die Verordnung möglichst standardisierter Rezepturen zum Beispiel aus dem Neuen Rezeptur-Formularium (NRF).
  • Immer eine Gebrauchsanweisung auf dem Rezept anzugeben.
  • Sich bei neuen Rezepturen mit den Apotheken im Umfeld Ihrer Praxis in Verbindung zu setzen.

Rezepturen für Erwachsene können Ärzte auf einem Kassenrezept verordnen, wenn sie rezeptpflichtig sind. Das hängt ab vom Wirkstoff und unter Umständen, wie beispielsweise bei Hydrocortison, von dessen Konzentration. Angaben zur Verschreibungspflicht eines Wirkstoffs finden Sie in der Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung.

Rezeptur-Verordnungen

Bei der Verordnung von Rezepturen sind folgende Punkte zu beachten:

  • Rezepturen für Erwachsene müssen rezeptpflichtig sein.
  • Rezepturen für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen müssen rezeptpflichtig oder apothekenpflichtig sein.
  • Die Rezepturgrundlagen müssen apothekenpflichtig sein oder es muss Arzneimittelqualität nachgewiesen sein.
  • Wirkstofffreie Rezepturgrundlagen können für Kinder und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bei medizinischer Indikation nur verordnet werden, wenn die Grundlagen apothekenpflichtig sind.
Das Foto zeigt drei Dosen mit individuellen Rezepturen (Foto: ABDA)

Nicht rezeptpflichtige Rezepturen können für Erwachsene nur dann auf einem Kassenrezept verordnet werden, wenn die Ausnahme in der Anlage I (OTC-Liste) der Arzneimittel-Richtlinie geregelt ist. Für Kinder bis zwölf Jahre und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre können Sie Rezepturen auf einem Kassenrezept verordnen, wenn sie rezeptpflichtig oder „nur“ apothekenpflichtig sind. Wenn für Kinder bei medizinischer Indikation nur Grundlagen (ohne Wirkstoff) verordnet werden, so müssen diese apothekenpflichtig sein.

Wahl der Rezepturgrundlagen

Achten Sie bei der Auswahl der Rezepturgrundlagen darauf, dass diese apothekenpflichtige Arzneimittel sind oder Arzneimittelqualität haben. Medizinprodukte und andere nicht apothekenpflichtige Rezepturgrundlagen können nur dann als Ausgangsstoff verwendet werden, wenn die jeweiligen Hersteller ein valides Prüfzertifikat und eine Methode zur Prüfung der Identität zur Verfügung stellen. Sonst dürfen sie nicht als Ausgangsstoff zur Arzneimittelherstellung verwendet werden. Kosmetika sind grundsätzlich nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig.

Dr. Holger Neye