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Rabattverträge über Originale belasten Generikaquoten

Stand: 03/2012

Der Abschluss von Rabattverträgen über Originalpräparate reduziert die Kosten der Krankenkassen – und kann dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzten ihre Generikaquote verfehlen. Die KV Nordrhein will diese Verbindung kappen.

Rabattverträge zwischen Krankenkassen und pharmazeutischen Herstellern haben in den vergangenen fünf Jahren zu deutlichen Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben geführt. Seit 2007 sind Apotheker verpflichtet, Rabattverträge zu bedienen. Sie müssen ein rabattiertes Arzneimittel abgeben, wenn ein entsprechender Vertrag gemeldet wurde und der Arzt den Austausch zugelassen hat.

Als erste Rabattverträge hatten einzelne Krankenkassen Sortimentsverträge mit jeweils einem Generikahersteller geschlossen. Dabei werden alle Präparate eines Herstellers bei einer Kasse rabattiert. Diese Verträge laufen aus und dürfen aus vergaberechtlichen Gründen nicht neu geschlossen werden.

Derzeit schreiben die Kassen Rabattverträge in der Regel zu einzelnen Wirkstoffen aus. Die Pharmaunternehmen erhalten dann in einem öffentlichen Vergabeverfahren den Zuschlag für jeweils einen Wirkstoff. Die Kassen fahren dabei unterschiedliche Strategien. Entweder vergibt die Kasse je Wirkstoff nur einen Zuschlag; das führt oft zu höheren Rabatten. Oder die Kasse vergibt mehr als zwei Zuschläge je Wirkstoff; das lässt dem Apotheker eine Auswahl und verbessert theoretisch die Lieferfähigkeit.

Generell gilt: Rabattverträge sollen laut Gesetz zwei Jahre lang laufen. Das soll einerseits zu einer gewissen Konstanz in der Abgabe von Arzneimitteln führen und andererseits den Wettbewerb unter den Anbietern forcieren.

Rabattverträge über Originalpräparate

Die meisten Rabattverträge betreffen Generika. Derzeit existieren über 16.000 Rabattverträge über patentfreie Wirkstoffe. Es gibt aber auch Rabattverträge über Originalpräparate. Rabattverträge über Originale werden geschlossen:

  • wenn ein Originalanbieter im Rahmen einer Ausschreibung einen Zuschlag erhält
  • bei Patentablauf, wenn noch keine Generika zur Verfügung stehen. Die Originalhersteller verlängern so den "Lebenszyklus" ihres Präparates
  • während der Patentlaufzeit, um den Anteil der Reimporte zu verkleinern
  • im Rahmen von sogenannten Mehrwertverträgen.
Die Tabelle zeigt die Preisbildung bei Arzneimitteln am  Beispiel von Augentropfen.
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Auf den Herstellerabgabepreis werden ein Großhandelsund Apothekenzuschlag, 8,10 Euro und die Mehrwertsteuer  aufgeschlagen. Der Hersteller kann nur Rabatt auf seinen Verkaufspreis geben, so dass die Aufschläge immer erhalten bleiben. Das Beispiel für Latanoprost-Augentropfen zeigt, dass selbst bei einem 100-%igen Rabatt auf den Herstellerabgabepreis der Originalanbieter nicht unter 24,35 Euro kommen kann.

Bei Rabattverträgen über Originalpräparate bedeuten hohe Rabatte nicht automatisch, dass der Endpreis auch wirtschaftlich ist. Der pharmazeutische Unternehmer kann den Rabatt in der Regel nur auf den Herstellerabgabepreis geben (siehe Abbildung).

Rabattverträge und Generikaquoten

In Nordrhein haben Kassen und K V für die meisten Fachgruppen Generikaquoten vereinbart. Auf Generika entfielen 2010 in Nordrhein 74,5 Prozent der Verordnungen, jedoch nur 35,8 Prozent der Kosten. Nach wie vor gilt also: Generika sind die wirtschaftliche Alternative zu Originalpräparaten.

Dennoch schließen einzelne Kassen bei Patentablauf Rabattverträge mit dem Originalanbieter. Diese Verträge sind aus Sicht der Ärztinnen und Ärzte ärgerlich:

  • die Rabattverträge und die Höhe des jeweiligen Rabattes sind nicht bekannt
  • Patienten werden vom Arzt überzeugt, dass Generika von gleicher Qualität wie Originale sind – und der Patient bekommt dann doch ein Original in der Apotheke
  • die abgegebenen Originale erschweren den Praxen, die geforderte Generikaquote einzuhalten.

„Wir setzten uns deswegen dafür ein, die Generikaquoten nicht mit einem Malus zu verknüpfen“, sagt Dr. Holger Neye, Leiter der Pharmakotherapieberatung der KV Nordrhein.

Rabatte und Richtgrößenprüfungen

Welche Rolle spielen die Rabatte bei der Richtgrößenprüfung? Wenn eine Praxis das Richtgrößenvolumen um mehr als 15 Prozent überschreitet, sind „Rabatte aufgrund von Verträgen nach Paragraf 130a Abs. 8 des Sozialgesetzbuchs V auf Verordnungsebene kassenindividuell zu berücksichtigen“. Das bestimmt die Richtgrößenvereinbarung in Nordrhein.

Die Abgabe teurer (rabattierter) Arzneimittel in der Apotheke könnte demnach zunächst zu einer Überschreitung des Richtgrößenvolumens führen. Das passiert aber nicht, weil die Prüfungsstelle die Rabatte im Rahmen der Vorab-Prüfung wie eine Praxisbesonderheit berücksichtigt. Ärzte kennen weder die Rabattverträge, noch die endgültigen Preise. Daher empfiehlt die KV Nordrhein generell: wenn möglich ein Generikum verordnen und den Austausch zulassen, also kein Kreuz setzen.