Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Blutzuckerteststreifen: Bundesausschuss schränkt Verordnungen ein

Stand: 04/2011

Nicht insulinpflichtige Diabetiker erhalten Harn- und Blutzuckertestreifen nur noch in Ausnahmefällen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Grund für die Einschränkung: Klinische Studien könnten keinen patientenrelevanten Nutzen für den Verlauf der Erkrankung belegen.

Nach dem Beschluss des G-BA vom 17. März 2011 können Ärzte ihren gesetzlich versicherten Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die nicht mit Insulin behandelt werden, Harn- und Blutzuckerteststreifen nur bei instabiler Stoffwechsellage verordnen. Diese instabile Stoffwechsellage kann gegeben sein bei interkurrenten Erkrankungen oder bei Ein- oder Umstellung auf orale Antidiabetika mit hohem Hypoglykämierisiko. Je Behandlungssituation können Ärzte dann nach dem Willen des G-BA bis zu 50 Teststreifen verordnen.

Der Beschluss soll auch für Patienten gelten, die an einem Disease-Management-Programm teilnehmen. Ausgenommen sind jedoch Frauen mit Gestationsdiabetes, weil dieser nicht als Typ-2-Diabetes definiert ist.

Für die Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein ändert der Beschluss wenig. Denn der Orientierungsrahmen zur Verordnung von Blutzuckerteststreifen sieht in Nordrhein bereits seit 2002 eine zurückhaltende Verordnung vor. Für nicht insulinpflichtige Diabetiker sollten Blutzuckerteststreifen nur in Ausnahmefällen verordnet werden. Diese Empfehlung ist Bestandteil der Richtgrößenvereinbarung.

Der Beschluss des G-BA tritt erst nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Das Bundesgesundheitsministerium hat zwei Monate Zeit, um den Beschluss zu prüfen.

Diagnose / Therapie Verordnungsfähigkeit von
Diabetes mellitus Typ 2
Diät und TablettenUrinteststreifen
bisher: Blutzuckerteststreifen nur in Ausnahmefällen bei Folgeerkrankungen oder pathologischer Nierenschwelle; dann höchstens 50 Teststreifen pro Quartal
neu: Harn- und Blutzuckerteststreifen bei instabiler Stoffwechsellage bis zu 50 Teststreifen je Behandlungssituation (Beschluss des G-BA noch nicht in Kraft)
InsulinBlutzuckerteststreifen, in der Regel 100 Teststreifen pro Quartal; maximal 200 Teststreifen pro Quartal
Diabetes mellitus Typ 1
generell 400 Blutzuckerteststreifen pro Quartal
ICT- und Pumpentherapie
generell 600 Blutzuckerteststreifen pro Quartal