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Änderungen der Arzneimittel-Richtlinie: Antidiarrhoika

Stand: 03/2011

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Anlage III der aktuellen Arzneimittel-Richtlinie geändert.

Glitazone können Ärztinnen und Ärzte nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnen. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses tritt am 1. April 2011 in Kraft und betrifft nur noch Pioglitazon inklusive der Kombinationen (zum Beispiel Actos, Compact oder Tandemact). Rosiglitazon (zum Beispiel Avandia, Avandamet oder Avaglim) ist seit November 2010 in Deutschland nicht mehr im Handel.

Reboxetin: Ein weiterer Verordnungsausschluss betrifft Reboxetin (Solvex, Edronax), das ebenfalls ab 1. April 2011 nicht mehr zu Lasten der GKV verordnet werden kann. Die Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ergab für Reboxetin keine Belege für einen Nutzen in der Behandlung von Patienten mit Depressionen im Vergleich zu Placebo. Und zwar sowohl in der Kurzzeitakuttherapie als auch in der Rückfallprävention. Demgegenüber gibt es einen Beleg für einen geringeren Nutzen von Reboxetin im Vergleich zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) für die Remission und die Response in der Kurzzeitakuttherapie.

Clopidogrel: In der Kombinationstherapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) wurde die Arzneimittel-Richtlinie ebenfalls in Anlage III ergänzt. Somit ist Clopidogrel in der Kombinationstherapie nur bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom ohne ST-Streckenhebung für insgesamt zwölf Monate und bei Patienten mit Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung, für die eine Thrombolyse in Frage kommt, während eines Behandlungszeitraums von bis zu 28 Tagen zu Lasten der Krankenkassen verordnungsfähig. Die Indikationen entsprechen der Zulassung von Clopidogrel.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mit der Richtlinie die Dauer der Behandlung für die Kombinationstherapie geregelt. Es wird in der Richtlinie darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Clopidogrel plus ASS bei Patienten mit STEMI, die im Rahmen einer PCI einen Stent bekommen, nicht geregelt ist. Hier handelt es sich formal um einen Off-Label-Einsatz, der jedoch Therapiestandard ist.

Antidiarrhoika: Die Verordnungsfähigkeit von Antidiarrhoika wurde erweitert, so dass nun auch Präparate mit E. Coli Stamm Nissle 1917 (zum Beispiel Mutaflor) bei Säuglingen und Kleinkindern zusätzlich zu Rehydratationsmaßnahmen auf einem Kassenrezept verordnet werden können. Auch dieser Beschluss ist nicht beanstandet worden und tritt in Kürze in Kraft.