Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Tipps zum Absetzen von Arzneimitteln

Stand: 03/2011

Ältere Patienten nehmen häufig viele Arzneimittel ein – mehrere Erkrankungen und die Behandlung nach Leitlinien führen zur Multimedikation. Damit steigt die Gefahr von Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Arzneimittel abzusetzen kann das Risiko reduzieren – und entspricht auch häufig dem Wunsch der Patienten.

Eine Rangordnung der Symptom- und Prognose-bessernden Medikation hilft bei der Entscheidung, welche Arzneimittel einerseits unverzichtbar sind oder andererseits abgesetzt werden können. Eine Ausgabe des neuseeländischen Best Practice Journals greift das Thema Absetzen von Arzneimitteln bei älteren Patienten auf und gibt weitere Empfehlungen.

Welche Arzneimittel absetzen?

Schreiben Sie alle Medikamente auf, die ein Patient einnimmt (inklusive der OTC-Medikation) und priorisieren Sie die Präparate. Das ist ein Ansatz, Arzneimittel zum Absetzen auszuwählen. Bei Beginn einer Therapie sollten sie immer ein „Verfalldatum“ einplanen und die Therapie dann erneut prüfen. Dabei sollten Sie beachten:

  • Besteht noch die ursprüngliche Indikation? Ist zum Beispiel der Protonenpumpeninhibitor (PPI) weiter nötig, auch wenn die Beschwerden oder die NSAID-Medikation nicht mehr bestehen?
  • Ist die Medikation (noch) für ältere Patienten geeignet? Aktuell wird die Priscus-Liste mit potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen diskutiert (www.priscus.net).
  • Wie lange nimmt der Patient die Arzneimittel schon? Mittel wie Heparine oder Clopidogrel verordnen Ärzte nur für einen begrenzten Zeitraum.
  • Nimmt der Patient die Arzneimittel überhaupt? Wenn Patienten Arzneimittel nicht einnehmen, dies im Gespräch auch angeben und keine Beschwerden haben, kann die Verordnung unterbleiben.
  • Wird eine neue Erkrankung behandelt oder die Nebenwirkung einer bestehenden Medikation? Die Kombination von bestimmten Antidepressiva zum Beispiel kann zu behandlungsbedürftigen Nebenwirkungen führen (Serotoninsyndrom). Dosisreduktion oder Absetzen wäre die bessere Alternative.

Wie aufhören?

Das Absetzen von Arzneimitteln sollte ein vierstufiger Prozess sein:

  • 1. Wählen Sie das Arzneimittel zum Absetzen.
  • 2 Setzen Sie immer nur ein Arzneimittel auf einmal ab. Wenn Arzneimittel einzeln abgesetzt werden, ist es einfacher zu beurteilen, ob neue Beschwerden mit dem Absetzen zu tun haben.
  • 3 Entscheiden Sie, ob das Medikament ausgeschlichen werden muss. Mittel wie Betablocker, Benzodiazepine oder auch PPI können beim Absetzen zu einem Rebound führen. Die Präparate sollten Sie schrittweise in der Dosis reduzieren. Besonders nach langem Benzodiazepin-Gebrauch kann das Ausschleichen Monate dauern.
  • 4 Kontrollieren Sie die Vor- und Nachteile, wenn Arzneimittel abgesetzt wurden. Bei der Reduktion oder dem Absetzen eines Arzneimittels sollte der Patient auf neue Symptome (auch positive!) achten. Das kann seine Entscheidung stärken, das Arzneimittel abzusetzen.