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Priscus-Liste: Manches Medikament für Senioren ungeeignet

Stand: 02/2011

Die im August 2010 veröffentlichte Priscus-Liste stuft 83 Medikamente als für Senioren ungeeignet ein, da sie höhere Risiken mit sich bringen. Sie ist die erste Liste ihrer Art, die dem deutschen Arzneimittelmarkt angepasst wurde und bietet deswegen Vorteile gegenüber internationalen Listen.

Die Verordnung von Arzneimitteln bei älteren Patienten ist häufig durch Multimorbidität und damit verbundener Polymedikation gekennzeichnet. Veränderungen der Pharmakokinetik und -dynamik im Alter führen zu mehr unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Leitlinien gehen nur selten auf die adäquate Medikation älterer Patienten ein. Hingegen führen internationale Arzneimittellisten, wie die amerikanische Beers-Liste, potentiell inadäquate Medikationen bei älteren Patienten auf.

Die Verordnung dieser Mittel kann in Einzelfällen angezeigt oder ohne Alternativen sein. Amerikanische Studien zeigten jedoch, dass die Einnahme von Medikamenten, die die Beers-Liste aufführt, mit einem erhöhten Hospitalisierungsrisiko bei älteren Menschen einhergeht. Nachgewiesen wurde auch ein höheres Sturzrisiko und höhere Therapiekosten aufgrund von vermehrten Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten.

Einzelne Krankenkassen haben angekündigt, entweder ihre Patienten oder die verordnenden Ärzte zu informieren, wenn vermehrt Arzneimittel der Priscus-Liste verordnet werden.

Die Priscus-Liste (von lat. priscus = altehrwürdig) wurde im Rahmen eines sogenannten Delphi-Verfahrens entwickelt. Grundlage waren vier internationale Listen potentiell inadäquater Medikationen (PIM) und eine zusätzliche Literaturrecherche. Von den 131 Arzneistoffen wurden nach Expertenbefragungen 83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen für Deutschland als PIM identifiziert.