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Neue Aut-idem-Regelung gilt seit 1. Januar 2011: Arzneimittel-Austausch erweitert

Stand: 02/2011

Seit Jahresbeginn gelten neue Regeln für den Austausch von Medikamenten durch den Apotheker. Die Bestimmungen enthält das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes, kurz AMNOG. Sie betreffen die Packungsgröße und den Indikationsbereich. Neu ist zudem eine Regelung zur Kostenerstattung.

Für die Packungsgröße ist ab 1. Januar 2011 die Normierung (N1, N2, N3) ausschlaggebend. Somit können beispielsweise auch 100er gegen 98er Packungen ausgetauscht werden, wenn sie in Wirkstoff, Dosierung, Darreichungsform und Indikation übereinstimmen. Bisher musste die Stückzahl identisch sein, was Hersteller nutzten, um den Austausch zu erschweren.

Das Bild zeigt eine Apothekerin im Gespräch mit einer Patientin.

Die neue Regelung zu den Packungsgrößen macht Apotheken Schwierigkeiten. (Foto: KVNO)

Für die Packungsgrößen gelten sogenannte Spannbreiten. Diese beträgt beispielsweise für Omeprazol: N1 = 16 bis 24 Stück, N2 = 44 bis 55 Stück, N3 = 95 bis 100 Stück. Wenn Sie die Packungsgröße mit N1, N2 oder N3 verordnen, kann der Apotheker innerhalb dieser Grenzen abgeben. Wenn Sie nur die Stückzahl angeben und diese außerhalb der N-Bereiche liegt, kann der Apotheker nur gegen eine identische Stückzahl austauschen.

Wir empfehlen, die Packungsgröße mit N1, N2 oder N3 ohne Angabe der Stückzahl zu verordnen und den Austausch zuzulassen, also kein Kreuz zu setzen. In der Übergangsphase wird es vermehrt zu Rückfragen und Änderungswünschen der Apotheker kommen, wenn beispielsweise Rabattverträge nur unter Angabe der jeweiligen Stückzahl bedient werden können.

Indikationsbereich

Der Gesetzgeber hat den Austausch vereinfacht. Es reicht nun aus, wenn das verordnete und das abgegebene Präparat nur ein gleiches Anwendungsgebiet haben. Bisher musste das Austausch-Präparat für den gleichen Indikationsbereich zugelassen sein. Wenn beispielsweise der verordnete Betablocker zur Behandlung der Hypertonie und Herzinsuffizienz zugelassen ist, so darf er auch gegen ein Präparat ausgetauscht werden, das nur für die Indikation Hypertonie zugelassen ist. Wirkstoff, Dosierung, Darreichungsform und Packungsgröße müssen natürlich übereinstimmen.

Kostenerstattung

Patienten können ab 1. Januar 2011 im Rahmen von aut idem ein Arzneimittel wählen, das ggf. teurer als das abzugebende wäre. Voraussetzung ist auch hier, dass der Arzt den Austausch zulässt (kein Kreuz gesetzt). Der Patient muss in diesem Fall anfallende Mehrkosten selbst tragen. In medizinisch begründeten Fällen kann der Arzt weiterhin ein Aut-idem-Kreuz setzen und den Austausch auch im Rahmen der Mehrkostenregelung verhindern.

Der Patient bezahlt das selbst gewählte Arzneimittel zunächst komplett aus eigener Tasche. Seine gesetzliche Krankenkasse zahlt im Rahmen der Kostenerstattung den Differenzbetrag, wobei Rabatte berücksichtigt werden müssen. Die Einzelheiten des Verfahrens regeln Krankenkassen und Apotheken.