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Grevenbroicher Gynäkologe wehrt sich seit Jahren: "Kassen-Anfragen sind fast nie korrekt"

Dr. Richard Leblanc interessiert sich für Uhren und amüsiert sich über Cartoons von Ralph Ruthe. Eine gewisse Leidenschaft hat er auch im Umgang mit Anfragen von Krankenkassen entwickelt. Chronologisch sortiert hat der Gynäkologe gut 50 Auseinandersetzungen mit den Kassen in einem Ordner dokumentiert. Inzwischen greift er meist einfach zum Aufkleber, wenn eine Anfrage von den Vorgaben abweicht.

Das Bild zeigt Dr. Richard Leblanc

Dr. Richard Leblanc (55) ist in Grevenbroich niedergelassen. Der Gynäkologe ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nach 21 Jahren Einzelpraxis wechselt er in eine Praxisgemeinschaft mit drei Kollegen.

Warum beschäftigen Sie sich so intensiv mit den Kassen-Anfragen?

Leblanc: Weil ich mich einmal wirklich geärgert habe über einen Sprechstundenbedarfs-Regress der Barmer. Da ging es um ein Mittel gegen Vaginalpilze, dass ich als Ovulum abgegeben habe. Die Sprechstundebedarfs-Vereinbarung sah aber nur Zäpfchen vor. Die Ovula habe ich aus einer Zehnerpackung für insgesamt 45 Euro entnommen. Die Barmer aber pochte darauf, dass ich sie verordnen müsse – zum Einzelpreis von 14 Euro. Was Kasse und Patientin wegen der Zuzahlung unterm Strich deutlich teurer kommt. Nach zwei Prüfungsausschuss-Sitzungen mit jeweils sieben Mitgliedern musste ich 90 Euro Regress zahlen. Da habe ich mir gedacht: Wenn ihr kleinlich seid, dann bin ich das auch.

Worauf achten Sie genau?

Leblanc: Auf die Vordrucke. Die Klassiker bei mir sind die Muster 52, also die Frage nach dem Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit, Fragen nach einem Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft und Anforderungen des MDK. Mehrmals pro Woche gehen bei mir in der Praxis solche Anfragen ein – die sind formal nie korrekt.

Wie reagieren Sie darauf?

Leblanc: Ich habe die Kassen darauf hingewiesen, dass ihr Muster formal nicht korrekt ist und ich die Anfrage deswegen nicht beantworte.

Und wie reagierten die Kassen?

Leblanc: Vielfach gar nicht. Meist kamen auch keine Nachfragen mehr, die scheinen ihre eigenen Anfragen oft nicht sonderlich zu interessieren. Die KKH hat aber einmal versucht Druck zu machen. Ein Sachbearbeiter drohte mir telefonisch, eine Patientin vom MDK einbestellen zu lassen. Da habe ich die KV Nordrhein eingeschaltet. Die Stabsstelle Recht der Bezirksstelle Düsseldorf hat auch prompt reagiert und die Anfrage der KKH wegen formaler Mängel und Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen zurückgewiesen. Dann passierte lange nichts mehr. Nach einem halben Jahr gab die Kasse zu, dass der KVNO-Jurist Recht hatte.

Formfehler sind ein Grund, eine Beantwortung abzulehnen. Gibt es noch andere?

Leblanc: Ja, besonders den Datenschutz. Da gab es beispielsweise eine Anfrage der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK. Die schickte nach einer neuntägigen Arbeitsunfähigkeit nach einem Abort ein selbstgestricktes Muster in dem ich ausführliche Angaben zur Sozialanamnese machen sollte, also zum Beispiel zur Arbeitsplatzsituation und psychischen Belastungen. Außerdem sollte ich ‚Risikofaktoren' nennen wie ‚Stress, Fehlernährung und Nikotin' oder ‚Maßnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung'.

Die Grafik zeigt das Logo: KVNO kämpft für Sie

Kontakt:
KV Nordrhein
Redaktion KVNO aktuell
Telefax 0211 5970 9108
E-Mail

Wie ist der Fall ausgegangen?

Leblanc: Auch hier habe ich die Stabsstelle Recht ins Boot geholt. Nach deren Schreiben, inklusive der Ankündigung, den Datenschutzbeauftragten des Landes einzuschalten, ist die SBK komplett zurückgerudert. Die Kasse hat zugesichert, dass der Vordruck umgehend aus dem Schreibsystem entfernt worden sei.

Nerven Sie die ständigen Scharmützel nicht?

Leblanc: Mir hat es ja auch ein wenig Spaß gemacht, mich da reinzubeißen. Inzwischen benutze ich nur noch Aufkleber, denn die Muster der Kassen sind formal so gut wie nie einwandfrei.

Wie sieht das genau aus?

Leblanc: Wenn ich eine unzulässige Anfrage erhalte, kommt sofort ein Aufkleber drauf: "Aufgrund erheblicher Abweichungen vom verbindlich vereinbarten Muster kann die Anfrage auf diesem Formular nicht beantwortet werden." Dann noch der Praxisstempel und meine Unterschrift – und zurück an die Kasse. Das war's und geht viel schneller als ein Schreiben.

Das Interview führte Frank Naundorf

Muster für unzulässige Kassenanfragen

Auf der nächsten Seite finden Sie ein Muster, das Sie im Umgang mit Anfragen von Kassen unterstützt, die nicht vereinbarte Vordrucke verwenden. In der vergangenen Ausgabe von KVNO aktuell hatten wir Ihnen "Tipps zum Umgang mit Kassen-Anfragen" bereitgestellt, mit deren Hilfe Sie die Zulässigkeit von Anfragen beurteilen können. Sie finden Infos und Formblätter auch unter www.kvno.de

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