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Das „Kleine ABC im Umgang mit Demenz-Patienten“

Der Umgang mit Demenz-Patienten ist nicht einfach. Bei der Fortbildung „Brennpunkt Demenz“, die die KV Nordrhein am 23. September 2016 gemeinsam mit dem Demenz-Servicezentrum Region Köln veranstaltete, lernten die Teilnehmer das „Kleine ABC im Umgang mit Demenz-Patienten“.

Ein Beispiel: Herr B. sitzt einige Zeit im Wartezimmer, wird unruhig, steht auf und geht Richtung Ausgang. Die Medizinische Fachangestellte (MFA) eilt hinterher: “Herr B., wo wollen Sie hin? Wir haben doch noch gar kein Blut abgenommen!“ Herr B. dreht sich um und antwortet: „Wieso Blut abnehmen? Ich bin doch kerngesund!“

Wie kann sich eine MFA jetzt verhalten? Wichtig ist, dass dieses Verhalten des Patienten nicht als böser Wille, sondern als Krankheit verstanden wird. Deshalb folgende Tipps:

A: Konfrontation vermeiden

Kommentare wie „Sie müssen hier bleiben, Sie haben doch Diabetes und Sie sind zum Labor angemeldet!“ würden Herrn B. verwirren und vermutlich sogar verärgern. Dann verlässt er die Praxis erst recht. Besser ist es, etwas zu sagen wie: „Ich freue mich, dass Sie sich kerngesund fühlen. Aber schade, dass Sie schon gehen wollen, wir haben doch noch gar nicht miteinander gesprochen.“ Oder: „Da wird sich der Doktor aber freuen, dass sie sich kerngesund fühlen. Möchten Sie ihm das vielleicht noch persönlich sagen?“

B: Zweckmäßig handeln

Wenn man weiß, dass ein Patient Demenz hat, ist es sinnvoll, ihn so bald wie möglich ins Labor bzw. ins Sprechzimmer zu bitten. Wenn der erste Verdacht auftaucht, kann man den Arzt informieren und das Gespräch mit den Angehörigen suchen.

C: Trost spenden

Gehen Sie auf die Gefühle ein. Einem unruhigen Patienten könnte man zum Beispiel sagen: „Warten ist schwierig, das kann ich gut verstehen.“ Oder der Dame, die verzweifelt in ihren Taschen ihre Versichertenkarte sucht: „Manchmal weiß man aber auch gar nicht, wo man zuerst suchen soll!“

In keinem Fall geht es um „richtig“ oder „falsch“ sondern darum, selber authentisch zu bleiben. Und man darf auch benennen was man wahrnimmt, zum Beispiel „Sie sehen heute aber gar nicht glücklich aus.“ Eine 85jährige im Altenheim, die nach ihrer Mutter fragt und nach Hause will, sucht nach Sicherheit und Geborgenheit. Es ist besser zu sagen, „Sie fühlen sich hier noch nicht zuhause“, als „Sie wohnen doch hier, da ist Ihr Namensschild an der Tür.“

Botschaften auf der Verstandesebene erreichen ihren Adressaten nicht, aber es hilft, Gefühle anzusprechen. Man verschlimmert die Situation dementer Personen nicht, indem man die Wahrheit sagt. Natürlich kann man es nicht ändern, dass das Altenheim nicht als Zuhause empfunden wird, aber man kann wenigstens authentisch bleiben. Dann besteht die Chance, dass die demente Person das ehrliche Gefühl dahinter wahrnehmen und als Trost empfinden wird.

Marita Meye