Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

MFA-Ausbildung für Flüchtlinge

"Eine Chance für Geflüchtete" – unter diesem Titel startete vor zwei Jahren in Essen ein Projekt, das Flüchtlingen eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) ermöglicht. Das Projekt läuft erfolgreich und wurde dieses Jahr fortgeführt. MFA aktuell stellt es vor.

Dr. Patricia Aden ist Ausbildungsberaterin bei der Ärztekammer Nordrhein und hat das Projekt mit auf die Beine gestellt. Die Idee: Junge Migranten sollen über eine MFA-Ausbildung in die Gesellschaft integriert werden. Das hat Vorteile für beide Seiten: "Über eine Ausbildung können wir den Flüchtlingen zum einen eine Perspektive bieten und zum anderen dem Fachkräftemangel entgegenwirken", sagt Aden.

Dr. med. Patricia Aden; Foto: privat

Dr. med. Patricia Aden

Die Ärztekammer Nordrhein gründete "Eine Chance für Geflüchtete" vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit und der Koordinierungsstelle für Ausbildung und Migration (KAUSA) in Essen. Über ein Bewerbungsverfahren suchten die Projektbeteiligten geeignete Kandidaten. Vorausgesetzt wurden unter anderem Interesse am medizinischen Bereich, gute Deutschkenntnisse, aber auch Einfühlungsvermögen und Freude an der Arbeit mit Menschen.

Nach einem "Speed-Dating" mit Praxisvertretern aus dem Raum Essen erhielten schließlich 20 junge Flüchtlinge die Chance, sich zu beweisen. Die meisten von ihnen absolvierten zunächst ein vom Jobcenter gefördertes Einstiegsqualifizierungsjahr zur Vorbereitung auf die Ausbildung. Einige Bewerber erhielten sogar direkt einen Ausbildungsvertrag. Im Sommer 2018 begann die Ausbildung für alle 20 Kandidaten. Aktuell befinden sich die Azubis im zweiten Lehrjahr. Und weil das Projekt so gut läuft, wurde es 2019 fortgeführt. Vor wenigen Wochen konnten weitere Flüchtlinge eine MFA-Ausbildung beginnen.

Migranten bringen besondere Eigenschaften mit

Die Azubis sind überwiegend junge Frauen aus Iran, Irak, Syrien und Afghanistan. Das sind Länder, in denen die Familie einen hohen Stellenwert besitzt – und das hat Vorteile: "Zuwendung, Empathie und der Umgang mit älteren und kranken Menschen ist dort selbstverständlich. Und genau diese Eigenschaften sind auch wichtig im Berufsalltag einer MFA", erklärt Aden.

Das deutsche Gesundheitssystem und die Rolle der MFA mussten die neuen Azubis erst kennenlernen, denn es unterscheidet sich stark von den Systemen ihrer Herkunftsländer. Und auch Gegebenheiten, die in deutschen Arztpraxen Alltag sind, sorgten bei den Migranten zunächst für Verwirrung: "Die zahlreichen Formulare sind den jungen Flüchtlingen fremd, ebenso wie die Tatsache, dass man beim Betreten einer Arztpraxis erst einmal eine Datenschutzerklärung ausfüllen muss", sagt Aden. Die Rückmeldungen der Azubis seien aber bislang positiv, ebenso von Praxen und Patienten, denn mit ihren Sprachkenntnissen in Arabisch, Kurdisch oder Persisch sind die Migranten eine Bereicherung in der Kommunikation.

Ausbildungsberaterin Aden ist ebenfalls mit Freude und Engagement dabei. "Eigentlich wäre ich in Rente gegangen, aber das Projekt hat mich motiviert, mich noch einmal für den Fachunterricht zur Verfügung zu stellen. Besonders freut mich, dass wir in diesem Projekt Frauen fördern und ihnen eine berufliche Perspektive bieten können, die sie in ihren Herkunftsländern oft nicht haben."

Simone Heimann