Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Stressjob MFA

Das Telefon am Ohr, am Empfang parallel einen ungeduldigen Patienten bedienen, während der Chef dringend nach einer bestimmten Behandlungsakte verlangt – für viele MFA ist das der ganz normale Wahnsinn in der Praxis. Sie müssen sich "um viele Dinge gleichzeitig kümmern", "immer wieder auf unvorhersehbare Entwicklungen reagieren" und dabei "viel Verantwortung tragen".

Das Bild zeigt eine MFA, eine Patientin und einen Arzt am Empfang einer Arztpraxis; Foto: Kzenon, Fotolia

Stress am Empfang: MFA müssen oft viele Aufgaben gleichzeitig erledigen.

Es sind Aussagen wie diese, die besonders viel Zustimmung in einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmedizin der Universität Düsseldorf fanden. Rund 900 MFA wurden gefragt, wie sie ihre Arbeitsbedingungen empfinden. Das Ergebnis war ernüchternd: Drei Viertel der MFA bewerten ihr Stress-Level als außerordentlich hoch. Zu den hauptsächlichen Stressfaktoren zählen das Arbeiten unter Zeitdruck bei zu hohem Arbeitsaufkommen und ständigen Unterbrechungen. Aber auch das Gefühl, für die verantwortungsvolle Arbeit der MFA zu schlecht bezahlt zu sein und vom Vorgesetzten zu wenig Anerkennung zu bekommen, sorgt für viel Unzufriedenheit in den Praxen.

Stress ist vielschichtig

"Was den Arbeitsstress betrifft, stehen MFA den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen in nichts nach", bewertet Dr. Adrian Loerbroks, Mitautor der Studie, in der Zeitschrift "praxisnah" vom Verband medizinischer Fachberufe (Ausgabe 1+2/19), die Ergebnisse.

Neben den reinen Arbeitsabläufen sorgen aber oft auch die psychosozialen Rahmenbedingungen für Stress. So gaben 40 Prozent der befragten MFA an, dass die Zusammenarbeit im Team und mit Vorgesetzten immer wieder belastet ist – vor allem in kleinen Praxen, wo es eine enge direkte Zusammenarbeit mit den Ärtzen gibt. Denn diese sind dann Vorgesetzte und Arbeitgeber zugleich, was viele als Abhängigkeitsverhältnis empfinden.

Die große Unzufriedenheit wirkt sich umgekehrt auf die Wünsche der MFA aus. "Ich wünsche mir mehr Verständnis von meinem Vorgesetzten" meinen 60 Prozent der Medizinischen Fachangestellten. "Mehr Gehalt", "mehr Anerkennung von der Gesellschaft", aber auch "Fortbildungen zur Mitarbeiterführung für die Ärzte" stehen ebenfalls ganz oben auf dem Wunschzettel.

Zum Ärztemangel kommt bald der MFA-Mangel

Hannelore König, erste Vorsitzende im geschäftsführenden Vorstand des Verbands medizinischer Fachberufe, hat großes Verständnis für diese Wünsche. Das Problem der mangelnden Wertschätzung sei dabei leicht lösbar, sagt sie, zum Beispiel durch mehr Lohngerechtigkeit bei den Gesundheitsberufen. "Eine MFA bekommt nach der Ausbildung ein Einstiegsgehalt von unter 2000 Euro für eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, eine Sozialversicherungsangestellte dagegen bis zu 600 Euro mehr – ohne die verantwortungsvolle Arbeit am Patienten. Das ist nicht gerecht", sagt König.

Das Bild zeigt eine MFA und einen Arzt im Gespräch; Foto: gunterkremer, Fotolia

Regelmäßiger Austausch und Wertschätzung für die Arbeit der MFA sind wichtig für eine gute Zusammenarbeit.

Immer mehr MFA dächten deshalb auch über den Ausstieg aus der ambulanten Versorgung nach. Von 2014 bis 2017 ist die Zahl der beschäftigten MFA in Kliniken laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes um 12.000 gestiegen. "Das sind bedrohliche Zahlen, denn in den nächsten zehn Jahren gehen viele MFA in Rente und es kommen immer weniger junge Menschen nach", so König. "Wenn das so weitergeht, müssen wir uns nicht nur auf einen Ärztemangel, sondern auch auf einen MFA-Mangel einstellen und entsprechend handeln."

Auch positive Seiten

Die Studie fragte aber nicht nur nach dem, was schlecht ist am Beruf der MFA, sondern auch nach den guten Seiten. So empfinden 90 Prozent der MFA ihre Arbeit als "abwechslungsreich". Ebenso viele genießen den Austausch mit den Patienten, zu denen häufig ein jahrelanges Vertrauensverhältnis besteht. Und für 92 Prozent ist es wichtig, eine "soziale Tätigkeit" auszuüben.

Thomas Lillig