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NPPV: „Ein tolles Projekt“

Seit Dezember 2017 läuft in Nordrhein das Projekt zur neurologisch-psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung (NPPV), das vom Innovationsfonds gefördert wird. Im Rahmen des Projekts werden Patienten mit schweren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen in einem Praxen-Netzwerk versorgt – inzwischen über 5.000.

Ärzte, Psychotherapeuten und Medizinische Fachangestellte sorgen dafür, dass Patienten bei akutem Bedarf einen schnellen Termin bekommen. Eine gute Koordination der Arbeit zeichnet das Projekt aus. Dazu tragen nicht nur IT-gestützte Prozesse bei, sondern auch Netzwerktreffen der Beteiligten. Am 13. Februar 2019 fand ein solches Treffen in Düsseldorf eigens für MFA statt. Wir haben mit vier Teilnehmerinnen über ihre Rolle im NPPV-Projekt und ihre Erfahrungen gesprochen.

Tanja Petrocini

Tanja Petrocini; Foto: KVNO

Tanja Petrocini ist als leitende MFA aus der Praxis „Neuroärzte“ mit zwei Standorten in Düsseldorf ganz aktiv in das NPPV-Programm involviert – und sehr begeistert: „Das ist ein tolles Projekt“, so Petrocini. Eine ihrer Aufgaben ist es, die Patientinnen und Patienten die NPPV zu erläutern . „Ich erkläre dabei die Abläufe und vor allem, warum eine Teilnahme für die Patientin oder den Patienten sinnvoll ist.“

Vor allem Menschen, die unter Depressionen leiden, würden profitieren, meint die Praxismanagerin. „Das Projekt ist wie für sie gemacht“, sagt Petrocini. Denn Depressive brauchen meist schnell einen Therapieplatz. Und den findet das Praxisteam nun oft leichter. „Wir haben unser Netzwerk erweitert und können zum Beispiel zu Psychotherapeuten vermitteln, die russisch sprechen.“ Auch dies verbessere die Versorgung.

Die Daten der Patienten erfasst Petrocini in einer eigens für das Projekt konzipierten EDV-Maske. Dabei entdeckt sie immer wieder für die Therapie wichtige Punkte. „Eine Trennung beispielsweise, das ist für Diagnose und Therapie ein wichtiger Aspekt“, sagt die Mutter von vier Kindern, die eine ganze Reihe von Qualifikationen mitbringt: Praxismanagerin, MS-Nurse, Study Nurse, ausgebildete Parkinson-Assistentin und EVA-NP.

Ihr Fazit: „Depressive Patientinnen und Patienten fangen wir dank NPPV viel besser auf – und helfen ihnen aus der Depression heraus. Wir können die Medikation reduzieren und sie oft so betreuen, dass sie weiter arbeiten können. Das ist ein riesiger Gewinn, besonders für Familien.“

Susan Jakovides und Brigitta Franke-Scholten arbeiten als MFA mit Weiter- und Fortbildungen in „Psychiatrischer Pflege im Fokus Schizophrenie“, „ADHS im Erwachsenenalter“ und „Stressfreier Kommunikation“. In der Praxis von Dr. med. Elisabeth Seiniger, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Brühl, sind derzeit 49 Patienten in das NPPV-Projekt eingeschrieben.

Jakovides‘ und Franke-Scholtens Aufgaben sind: Wir klären die Patienten über Angebote und Chancendes Programms auf und schreiben sie in das Projekt ein. Außerdem schauen wir, wo es freie Plätze in Gruppentherapien gibt und ordnen die Patienten entsprechend zu und kontrollieren die Anwesenheit. Ebenso holen wir von unseren Patienten ein generelles Feedback ein. Bei den regelmäßig stattfindenden internen Teambesprechungen arbeiten wir gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten für den internen Informationsfluss und den Prozess insgesamt.“

Das NPPV-Netzwerktreffen für MFA in Düsseldorf hat beiden Praxismitarbeiterinnen gut gefallen. „Die Veranstaltung hat uns den großen Rahmen der Initiative vermittelt. Wir haben dort ein Verständnis des Gesamtvorhabens und der Gesamteinordnung der Projektziele bekommen. Dadurch können wir auch die Patienten noch besser beraten. Interessant fanden wir auch, welches Datenmaterial – so zum Beispiel statistische Erhebungen – das Projekt untermauern.“

Neue Ansprechpartner kennenzulernen und sich mit Kolleginnen anderer Praxen auszutauschen war außerdem ein wichtiger Motivationsfaktor für Jakovides und Franke-Scholten. „Hinzu kam die Frage: Wo verorten wir unsere eigenen Aktivitäten innerhalb des Pilotprojektes? Auch wollten wir unsere praktischen Kenntnisse im Umgang mit der EDV-Anwendungen, die hier im Einsatz sind, abgleichen und vertiefen.“

Gülay Sanli

Gülay Sanli; Foto: Privat

Gülay Sanli, MFA mit suchtmedizinischer Weiterbildung, ist in der Praxis von Linda Reinemer und Andrea Geißler, Fachärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie in Mönchengladbach, tätig. Im NPPV-Programm ist sie hauptsächlich für die Organisation der Patienteneinschreibungen zuständig. „Dazu gehört zunächst das Ausfüllen eines Fragebogens. Neben den Personalien der Patienten werden auch Angaben zur Erkrankung und Lebenssituation abgefragt.“ Bislang sind 35 Patienten in ihrer Praxis eingeschrieben.

Die Ärztinnen in der Praxisgemeinschaft besprechen anschließend passende Therapieangebote mit den Patienten. Dazu gehören auch Gruppentherapien oder Online-Selbsthilfe-Angebote. „Im Nachgang übertrage ich alle Daten in den PC. Außerdem kläre ich die Patienten über NPPV-Ziele und -Abläufe auf.“

Beim NPPV-Netzwerktreffen wollte Sanli Wissen aufbauen und erfahren, „ob ich alles richtig mache“. Wichtig war ihr außerdem, offene Fragen zu klären. „Wir nehmen  seit Oktober 2018 am Projekt teil und haben daher noch nicht so viel Erfahrung.“ Besonders gut hat ihr der Austausch gefallen, vor allem bezüglich der Patientenberatung. „Die Patienten sind in der Regel in einer schwierigen Situation und trauen sich oft nicht, an Gruppenangeboten teilzunehmen. Da können wir sie ein wenig an die Hand nehmen und ihnen die Angst nehmen.“ Es falle Patienten zum Beispiel leichter, ein Gruppenangebot anzunehmen, wenn sie wissen, dass sie dort nicht sofort etwas von sich erzählen müssen, sondern auch erst einmal nur zuhören können.

Auch die praktischen Tipps zum Umgang mit der Software IVPnet waren für Sanli hilfreich. Sie würde „auf jeden Fall“ eine weitere Veranstaltung besuchen – am liebsten in Mönchengladbach.

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