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Aktuelle Fragen an die Serviceteams und deren Antworten: Heilmittel richtig verordnen

Stand: 02/2013

Bei den Serviceteams der KV Nordrhein gehen pro Monat rund 7.000 Anrufe, Faxe und E-Mails ein. Im Oktober fragten viele Praxen nach Heilmittel-Verordnungen. Am 1. Januar ist die Vereinbarung über Praxisbesonderheiten für Heilmittel unter Berücksichtigung des langfristigen Heilmittelbedarfs in Kraft getreten.

Gelten die bisherigen Symbolziffern für Praxisbesonderheiten weiter?

Nein, die bisherigen Symbolziffern und Praxisbesonderheiten für Heilmittel gelten nicht weiter. Aufgrund der gesetzlichen und bundeseinheitlichen Vorgaben hat sich die Systematik geändert.

Welche neuen Praxisbesonderheiten gelten seit 1. Januar 2013?

Es gelten jetzt die Praxisbesonderheiten, die in den Anlagen 1 und 2 der Richtgrößenvereinbarung aufgeführt sind.

Warum gibt es zwei Anlagen zu den Praxis­besonderheiten? Und was ist der Unterschied zwischen Anlage 1 und Anlage 2?

In Anlage 1 sind Praxisbesonderheiten aufgeführt, die auf Bundesebene verhandelt wurden und die bisherigen Praxisbesonderheiten und Symbolziffern in Nordrhein ablösen. In Anlage 2 sind Erkrankungen gelistet, für die ein langfristiger Heilmittelbedarf besteht. Verzichtet die Krankenkasse auf ein individuelles Genehmigungsverfahren (was für die Mehrzahl zutrifft), ist ein Antrag auf Genehmigung einer langfristigen Heilmittelbehandlung nicht mehr erforderlich.

Wie werden die neuen Praxisbesonderheiten gekennzeichnet?

Die neuen Praxisbesonderheiten für Heil­mittel werden durch die bisherige Kombina­tion aus Indikationsschlüssel, Diagnose und einem zusätzlichen ICD-10-Kode kenntlich gemacht.

Gibt es ein besonderes Feld, in dem der ICD-10-Kode eingetragen werden muss?

Die ICD-10-kodierte Diagnose muss im dreizeiligen Feld "Diagnose mit Leitsymptomatik " unter "Indikationsschlüssel" auf dem Verordnungsblatt aufgebracht werden. Neue Verordnungsvordrucke wird es ab April 2013 geben; die alten können aufgebraucht werden.

Müssen Verordnungen von Heilmitteln mit langfristigem Behandlungsbedarf regelmäßig ausgestellt werden?

Bei der Verordnung von Heilmitteln mit langfristigen Behandlungsbedarf können Sie in Bezug auf die Menge, nicht aber auf die Art des Heilmittels von den Vorgaben des Heilmittelkatalogs abweichen und eine Verordnung für einen Zeitraum von jeweils bis zu zwölf Wochen ausstellen. Beispielsweise 24mal Lymphdrainage bei der Diagnose Mamma-Karzinom. Allerdings ist ein Arzt-Patienten-Kontakt spätestens alle zwölf Wochen erforderlich. Mit anderen Worten: Es gibt keine Langfristverordnung. Mindestens alle zwölf Wochen muss ein neues Heilmittelrezept ausgestellt werden.

Können Heilmittel bei weiteren Erkrankungen mit langfristigem Behandlungsbedarf, die nicht in Anlage 2 gelistet sind, von Krankenkassen genehmigt werden?

Bei Erkrankungen, die nicht in der Liste des Gemeinsamen Bundesausschusses geführt sind, und für deren Heilmittelbehandlung dennoch ein langfristiger Bedarf besteht, können Kassen eine Genehmigung für eine langfristige Heilmitteltherapie ausstellen. Diese muss der Patient beantragen. Die Genehmigung sollte in Kopie der Praxisdokumentation zugeführt werden, damit im Falle einer Richtgrößenprüfung die Besonderheit gegenüber der Prüfungsstelle zusätzlich gemeldet werden kann.

Nach der Praxisgebühr – was wird aus Überweisungen?

Die Patienten müssen seit Jahresbeginn keine Praxisgebühr mehr zahlen– egal ob sie gesetzlich krankenversichert oder bei einem sonstigen Kostenträger erstattungsberechtigt sind. Das Überweisungsgebot gilt aber noch immer.

Müssen wir noch Überweisungen ausstellen?

Ja, denn der Wegfall der Praxisgebühr setzt nicht das Überweisungsgebot nach § 24 Bundesmantelvertrag – Ärzte (BMV-Ä) außer Kraft. Danach hat ein Vertragsarzt die Durchführung erforderlicher diagnostischer und therapeutischer Leistungen durch einen anderen Vertragsarzt mittels Überweisung auf dem vereinbarten Vordruck (Muster 6) zu veranlassen. In diesen Fällen stellen Sie bitte wie gewohnt eine Überweisung für die Patienten aus, oder nehmen Sie die bei Ihnen in der Praxis vorgelegte Überweisung an.

Unverändert gilt auch, dass Ärzte für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Nuklearmedizin, Pathologie, Radiologische Diagnostik bzw. Radiologie, Strahlentherapie und Transfusionsmedizin und ermächtigte Krankenhausärzte nur auf Überweisung tätig werden dürfen. In den Hausarztverträgen ist fixiert, dass Patienten Fachärzte nur auf Überweisung des Hausarztes aufsuchen. Diese Vorgabe betrifft die Hausarzt-Praxen und deren Patientinnen und Patienten, die in einen Hausarztvertrag eingeschrieben sind.

Ansonsten ist die Behandlung von Patienten, die eine Praxis direkt in Anspruch nehmen, also ohne Überweisung, bei Vorlage der Krankenversichertenkarte weiter möglich.

Müssen wir noch Überweisungen annehmen?

Ja. Kommt ein Patient mit einer Überweisung in Ihre Praxis, dann nehmen Sie diese an und rechnen darauf ab. Das Überweisungsverfahren gilt weiterhin.