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Neu geregelt: Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden

08.01.2020

Chronische und schwer heilende Wunden sollen vorrangig in der Häuslichkeit versorgt werden und außerhalb nur unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel aus Hygienegründen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte dazu eine Änderung der Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege beschlossen, die am 5. Dezember 2019 in Kraft getreten ist. Der Bewertungsausschuss muss innerhalb von sechs Monaten entscheiden, inwieweit der Beschluss Auswirkungen auf den EBM hat. Erst dann können die entsprechenden Leistungen ärztlich verordnet werden.

In der Richtlinie für häusliche Krankenpflege (HKP-Richtlinie) wurde außerdem klargestellt, dass Pflegedienste an die ärztlich verordneten beziehungsweise von der Krankenkasse genehmigten Leistungen der häuslichen Krankenpflege gebunden sind. Auch müssen Pflegedienste die ärztliche Praxis bei Veränderungen der häuslichen Pflegesituation oder nach ärztlicher Aufforderung informieren. Dies kann durch Übermittlung von Auszügen aus der Pflegedokumentation erfolgen.

Änderungen gab es auch im Verzeichnis der Leistungen, die als häusliche Krankenpflege ärztlich verordnet werden dürfen. Hier wurde die Versorgung akuter Wunden als Nummer 31 und die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden als Nummer 31a neu aufgenommen.

Außerdem wurde die Nummer 12 so gefasst, dass sie künftig die Positionswechsel zur Dekubitusbehandlung beinhaltet. Die Regelungen zur Kompressionstherapie und zur Versorgung mit stützenden und stabilisierenden Verbänden wurden als separate Nummern 31b und 31c gefasst. Für die wirtschaftliche Verordnung von Verbandsmaterialien ist weiterhin der Arzt verantwortlich.

Das angepasste Leistungsverzeichnis ist auf der Internetseite des G-BA abrufbar.

Positionswechsel zur Dekubitusbehandlung (Nr. 12)
Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • ab Dekubitus Grad 1
  • Positionswechsel in individuell festzulegenden Zeitabständen
    zur möglichst vollständigen Druckentlastung der betroffenen Stelle
  • Sofern eine Wundversorgung notwendig ist, ist die Leistung nur in
    Kombination mit der Nr. 31 oder 31a verordnungsfähig
  • Bei der Verordnung ist die Lokalisation, Länge, Breite, Tiefe und
    soweit möglich der Grad des Dekubitus anzugeben
  • Angehörige sollen durch Anleitung des Pflegedienstes dazu befähigt
    werden, die Lagerung möglichst selbstständig zu übernehmen

Grad 1: Erst- und Folgeverordnungen
für jeweils bis zu 7 Tage.

Ab Grad 2: Erst- und Folgeverordnungen
für jeweils bis zu 4 Wochen.

Wundversorgung einer chronischen und schwer heilenden Wunde (Nr. 31a)
Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Chronische Wunde: heilt voraussichtlich nicht komplikationslos
    innerhalb von maximal 12 Wochen unter fachgerechter Therapie ab
  • Ziel: Wundheilung, Vermeidung einer Verschlimmerung, Symptomlinderung
    (wenn Wundheilung wahrscheinlich ausgeschlossen werden kann)
  • Versorgung soll durch „spezialisierte Leistungserbringer“ erfolgen
    (Pflegefachkräfte mit besonderer Zusatzqualifikation)
  • Angaben auf der Verordnung: Wundart, Lokalisation, Länge, Breite,
    Tiefe, ggf. Grad der Wunde, zu verwendende Verbandmaterialien,
    Wechselintervalle der Wundverbände
  • Bestandteil der Leistung: Anleitung zu krankheits- und wundspezifischen
    Maßnahmen durch den Pflegedienst, insbesondere zu Druckentlastung,
    Bewegungsförderung, zum Umgang mit wund- und therapiebedingten
    Beeinträchtigungen (Schmerzen, Wundgeruch und Kompression)
Erstverordnung sowie Folgeverordnungen
für jeweils bis zu 4 Wochen
Hinweis zu „spezialisierten Leistungserbringern“

Die Versorgung im Rahmen der Leistung nach 31a umfasst auch die Versorgung in spezialisierten Einrichtungen (Wundzentren) außerhalb der Häuslichkeit. Diese sind allerdings weder im SGB V näher definiert, noch sind Wundzentren ausreichend und flächendeckend im Bundesgebiet vorhanden. Die Versorgung findet somit weiterhin vorrangig in der Häuslichkeit der Versicherten statt.

An- oder Ausziehen von ärztlich verordneten Kompressionsstrümpfen und Strumpfhosen / Anlegen oder Abnehmen eines Kompressionsverbandes (Nr. 31b)
Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Ziel: Wundheilung, Unterstützung des venösen Rückflusses,
    Unterstützung des Lymphabflusses
  • Das Anlegen eines Kompressionsverbandes ist verordnungsfähig,
    wenn aus medizinischen bzw. anatomischen Gründen angepasste
    Kompressionsstrümpfe nicht möglich sind
  • Kompressionsbehandlung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen
    verordnungsfähig (Näheres siehe Leistungsverzeichnis), diese müssen
    aus der Verordnung hervorgehen
Jeweils 1 x täglich

 

An- und Ablegen von stützenden und stabilisierenden Verbände (Nr. 31c)
Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Zur unterstützenden Funktionssicherung der Gelenke,
    zum Beispiel bei Distorsion, Kontusion, Erguss
  • Das An- oder Ablegen von stützenden und stabilisierenden
    Verbänden ist nur unter bestimmten Voraussetzungen
    verordnungsfähig (Näheres siehe Leistungsverzeichnis),
    diese müssen aus der Verordnung hervorgehen
Bis zu 2 Wochen,
jeweils 1 x täglich